Psalterium


Schweinskopf-Psalterium
Santa Maria, Strela do Día, aus: Cantigas de Santa Maria; Ausführende: Eva Stangler-Alpers
Psalterium, Syntagma musicum, Michael Praetorius, 1620.
Psalterium, Syntagma musicum, Michael Praetorius, 1620.

Das Psalterium ist ein Zupfinstrument, das im Mittelalter sehr verbreitet war. Es gibt verschiedene Korpus-Formen; neben dreieckigen und trapezförmigen war die des hier aus­ge­stellten Exemplars sehr beliebt, wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Schweinerüssel als Schweinskopf-Psal­te­rium bezeichnet. Gegen Ende des Mittelalters ent­wickelte sich als weitere Spielweise neben dem Zupfen das Anschlagen der Saiten mit Stäbchen.

Ferner verfiel um 1400 jemand auf die Idee, eine Tastatur anzubauen – so erblickte die Urform des Cembalo und des Clavichords das Licht der Welt. In der Renaissance verlor das Psalterium an Bedeutung: In Virdungs Musica getutscht ist ein Exemplar abgebildet, das Bild macht allerdings den Eindruck, als habe der Illustrator das Instrument nur vom Hörensagen gekannt. Praetorius beschreibt ein Schweinskopf-Psalterium in der Organographia als „Ein gar alt italianisch Instrument“ und ein weiteres Psalterium mit trapezförmigem Korpus als „Ein Art eines Hackebrets, wird aber mit Fingern gegriffen“; die beschreibenden Bezeichnungen legen nahe, dass Praetorius beim Leser keine nennenswerte Kenntnis des Instruments erwartete; auch die Position ziemlich weit am Ende des Abbildungsteils, noch hinter den exotischen und biblischen Instrumenten, gibt Grund zu der Annahme, dass das Psalterium nur noch der Vollständigkeit halber aufgeführt wurde und nicht mehr wirklich in Gebrauch war.

Musiker mit Psalterium, Detail aus dem Manuskript „Cum superius sufficienter pro iuvenum“, 1448.
Musiker mit Psalterium, Detail aus dem Manuskript „Cum superius sufficienter pro iuvenum“, 1448.

Tod mit Psalterium, Illustration aus dem Heidelberger Totentanz („Der doten dantz mit figuren, clage vnd antwort schon, von allen staten der werlt“), ca. 1488.
Tod mit Psalterium, Illustration aus dem Heidelberger Totentanz („Der doten dantz mit figuren, clage vnd antwort schon, von allen staten der werlt“), ca. 1488.

Schule des Jan van Eyck (1385-1441): Der Gnadenbrunnen (Detail), Madrid, Prado.
Schule des Jan van Eyck (1385-1441): Der Gnadenbrunnen (Detail), Madrid, Prado.

Musiker mit Psalterien, Miniatur aus den Cantigas de Santa Maria, 13. Jahrhundert.
Musiker mit Psalterien, Miniatur aus den Cantigas de Santa Maria, 13. Jahrhundert.

Musiker mit Fideln, Flöten, Dudelsack und Psalterium, „Meister Heinrich Frauenlob“, Codex Manesse, 14. Jahrhundert.
Musiker mit Fideln, Flöten, Dudelsack und Psalterium, „Meister Heinrich Frauenlob“, Codex Manesse, 14. Jahrhundert.

„König David, Frau Musica und Musiker”, aus der Handschrift: M. Severinus Boethius, De Musica, 1350.
„König David, Frau Musica und Musiker”, aus der Handschrift: M. Severinus Boethius, De Musica, 1350.
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Tambourin de Béarn
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Saiteninstrumente