Kortholt


Alt- und Tenor-Kortholt
, Oswald von Wolkenstein, Wol auff wir wellen slauffen (um 1400)
Ausführende: Eva Stangler-Alpers, Ulrich Alpers
Darstellung des Kortholts bei Michael Praetorius (Syntagma musicum, Wolfenbüttel, 1619).
Darstellung des Kortholts bei Michael Praetorius (Syntagma
musicum, Wolfenbüttel, 1619).

Das Kortholt, wie wir es ausstellen, ist ein Windkapsel-Rohrblattinstrument aus der Gruppe der Kort-Instrumente. Es hat eine zylindrische Bohrung und kann im Allgemeinen nicht überblasen werden. Der natürliche Tonumfang beträgt eine Tredezime (Oktave + Sexte) und kann durch zusätzliche Klappen in der Höhe bis auf 2 Oktaven erweitert werden (eine Technik, die heute auch z.B. bei Krummhörnern angewandt wird, aber im Gegensatz zu diesen bei Kortholten bereits bei Praetorius bildlich belegt ist). Das Instrument hat 12 Grifflöcher und bis zu 2 Erweiterungsklappen, d.h. der durchschnittliche Spieler benötigt außer den Fingerkuppen auch weitere Fingerglieder, um alle Löcher zu schließen.

Aufbau eines Kortholts.
Aufbau eines Kortholts.

Der Klang des Kortholts ist dem des Krummhorns ähnlich, aber leiser und sanfter. Ob es dieses Instrument jemals in nennenswerter Verbreitung gegeben hat, ist nicht gewiss. Es dürfte sich um eine Abwandlung eines anderen, gängigeren Instruments handeln, des Sorduns, der sich von ihm nur durch das offen gespielte Rohrblatt unterscheidet. Leider ist kein originales Kortholt erhalten geblieben. Letztlich ist sogar ungewiss, ob der Name in der Renaissance einen bestimmten Instrumententyp bezeichnet hat oder nur die Gattung der Kort-Instrumente. Der englische Name des Dulzians, curtal, legt eine weiter gefasste Bedeutung nahe, genau wie manche Inventar-Einträge (etwa ein Grazer Inventar von 1577, in dem 4 Rankette so verzeichnet sind: „Mer vier ledige rogetten oder cortalli genant“).

<
Cornamuse
^
Rohrblattinstrumente