Zink


Zink, Barockvioline, Barockgitarre, Theorbe und Hackbrett
Maurizio Cazzati, Ciaccona
Ausführende: Doron Sherwin, L’Arpeggiata

Der Zink – die Trompete des Bürgers

Zinken, Musica getutscht und außgezogen, Sebastian Virdung, 1511.
Zinken, Musica getutscht und außgezogen, Sebastian Virdung, 1511.

Der Zink ist ein Zwischending aus Trompete und Schalmei: Er besteht i.d.R. aus Holz (selten aus Elfenbein), hat eine konische Bohrung und 6 Grifflöcher (nur der Tenorzink hat 7) auf der Vorderseite und ein Daumenloch, ist insofern also einer Schalmei nicht unähnlich. Allerdings wird er geblasen wie eine Trompete und zählt deshalb, Holz hin, Elfenbein her, zu den Blechblasinstrumenten. Nach der äußeren Form werden der krumme und der gerade Zink unterschieden. Letzterer wird weiter unterteilt in den „normalen“ geraden Zink mit separatem Mundstück und den sog. stillen Zink, bei dem das Mundstück direkt am oberen Ende angedrechselt ist. Dadurch ist er leiser – vielleicht aufgrund des im Vergleich zu Elfenbein, Metall, Horn oder Hartholz des separaten Zinkmundstücks weicheren Materials.

Grifflochhorn, 10. Jhdt., Västerby (Schweden).
Grifflochhorn, 10. Jhdt., Västerby
(Schweden).

Zu den Vorfahren des Zinks dürften Tierhörner mit Grifflöchern gehören, die seit dem 10. Jahrhundert in Europa nachgewiesen sind. Dieser Herkunft verdankt der krumme Zink wohl auch seine Form. Aber welchen Weg die Entwicklung vom Griffloch-Horn zum Zink genommen hat, ist nicht bekannt.

Singender Zinkspieler, Gerard van Honthorst, 1623.
Singender Zinkspieler, Gerard van Honthorst, 1623.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gibt es in Italien erste Zeugnisse für die Ausführung von Musik mit Zinken und Posaunen. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde der Zink zu einem der populärsten Instrumente. Hierzu trug bei, dass sein Klang als der menschlichen Singstimme sehr ähnlich empfunden wurde, deren Imitation als besonders erstrebenswert galt. Außerdem bot der Zink zu Zeiten, in denen die Trompete ausschließlich bei Hofe gespielt werden durfte, ein klangliches Gegenstück für das Bürgertum, das mit keinem Verbot belegt war. Der Höhepunkt seiner Bedeutung als Virtuosen-Instrument, gleichwertig mit der Violine, dürfte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts liegen; dann begann, wiederum zuerst in Italien, sein allmählicher Niedergang – allerdings blieb er, zumal in Mittel- und Norddeutschland, noch bis ins 18. Jahrhundert u.a. in der Chorbegleitung und als Stadtpfeiferinstrument beim Turmblasen im Gebrauch. Aber auch bei der Wiener Hofkapelle gehörte der Zink bis ins späte 18. Jahrhundert zur festen Besetzung und wurde z.B. in Chr. W. Glucks Oper Orfeo ed Euridice eingesetzt. Um 1890 versuchte der belgische Instrumentenbauer Victor Mahillon die Neukonstruktion eines geraden Zinken, wohl wiederum zum Einsatz in derselben Oper. Aber es blieb bei diesem Einzelstück. Erst zaghaft nach dem 1. Weltkrieg und stärker dann ab den 1950er Jahren erwachte im Zuge der Wiederentdeckung der Musik der Renaissance und des Frühbarocks auch der Zink zu neuem Leben.

Zinken und Posaunen, Michael Praetorius, Syntagma musicum, 1619.
Zinken und Posaunen, Michael Praetorius,
Syntagma musicum, 1619.

Wie auch viele andere Instrumente wurde der Zink in verschiedenen Größen gebaut; bei weitem am verbreitetsten war der „Chorzink“ in Diskantlage; dann gab es einen kleineren, eine Quarte höher stehenden, der folgerichtig Quart-Zink oder Cornettino genannt wurde. Ein recht imposant aussehendes Instrument ist der s-förmig gebogene Tenorzink, der aber klanglich weniger befriedigte; Praetorius wird recht deutlich: „Aber weil der Resonantz gar unlieblich und hornhafftig, so halt ich mehr darvon, das man eine Posaun an dessen stad gebrauche.“

Der Zink ist schwierig zu spielen: Zum einen erfordert der Ansatz erhebliches Training, auf Grund des sehr engen Mundstücks ist die Anblastechnik selbst für geübte Trompeter eine Herausforderung; zum anderen hat das Instrument einen sehr großen „Ziehbereich“, d.h. jeder gegriffene Ton kann, abhängig von Lippenspannung und Anblasdruck, deutlich höher oder tiefer ausfallen als beabsichtigt. In früheren Zeiten war der Zink ein ausschließliches Profi-Instrument; auch heute dürfte die Zahl der Amateure, die ihm wirklich befriedigende Klänge zu entlocken in der Lage sind, recht überschaubar sein.

Wie wird der krumme Zink krumm?

So, wie es beim Krummhorn üblich ist, also erst bohren und dann krummbiegen, funktioniert es beim Zink nicht: Die Wandstärke ist zu gering, das Werkstück würde brechen. Man geht einen anderen Weg: Die obere und die untere Hälfte werden separat geschnitzt und aufeinandergeleimt. Meist wird schließlich das Ganze mit Pergament oder Leder überzogen, damit die Klebefuge wirklich luftdicht ist.

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