Mahnmal am Ort der ehemaligen Synagoge

Symbolik

Meine Überlegung für ein Mahnmal im Gedenken an die Zerstörung der Synagoge war, ein Symbol zu finden, das auch jene Menschen erkennen, welche über die jüdische Religion nur wenig wissen: Chanukka, die hebräische Bedeutung ist Weihe, das achttägige jüdische Lichterfest im Dezember, bei dem zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des zerstörten Tempels in Jerusalem an jedem Tag des Festes ein weiteres Licht entzündet wird. Diese Lampe ist somit symbolisch mit der schon einmal erfolgten Tempelzerstörung verbunden. Sie in beschädigter Form auf einem Sockel darzustellen, kann sicher mahnend auf die Zerstörung der ehemaligen Mödlinger Synagoge hinweisen. (Karl Novak)

Enthüllung des Mahnmals

Rabbi Josef Pardes,
Vizepräsidentin des Bundesverbandes der österr. Kultusgemeinden Renate Erbst,
Bürgermeister LAbg. Hans Stefan Hintner,
STR Mag. Bernhard Knipel,
Altbürgermeister OSR Harald Lowatschek,
Vizebürgermeister Andreas Holzmann und
STR Paul Werdenich (v.l.n.r.).

Von 23. bis 26. Oktober 2003 waren rund 30 ehemalige jüdische MitbürgerInnen in ihre alte Heimatstadt gekommen.

Das Besuchsprogramm sah unter anderem eine Tour durch Wien, eine Stadtführung durch Mödling mit einem Besuch des jüdischen Friedhofes und die Enthüllung eines Mahnmals am Platz der ehemaligen jüdischen Synagoge am 26. Oktober vor. Einige Gäste hatten sich auch bereit erklärt, als Zeitzeugen in Mödlinger Schulen über ihre Erfahrungen zu berichten.

„Ihr Besuch ist für uns keine Selbstverständlichkeit sondern eine große Ehre“, betonte STR Mag. Bernhard Knipel als Initiator der Einladung. Kulturstadtrat Paul Werdenich, der gemeinsam mit GR Mag. Gerhard Wannenmacher für die Errichtung des Mahnmals verantwortlich zeichnet, dankte dem Mödlinger Künstlerbund und dem Künstler Karl Nowak für die einfühlsame Umsetzung des Mahnmals. Die Skulptur zeigt einen achtarmigen geknickten Leuchter, der die Verfolgung und das Leiden der jüdischen Bevölkerung symbolisiert.

Zur Mödlinger Synagoge und der jüdischen Gemeinde Mödlings

Am 9. November fand beim Mahnmal für die Mödlinger Synagoge eine Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht statt. Seitens der Stadtgemeinde Mödling erinnerten Vizebürgermeister Mag. Gerhard Wannenmacher, GR Rosemarie Forster und Altbürgermeister Werner Burg an die Opfer des Nationalsozialismus und die Zerstörung der Mödlinger Synagoge.

Bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gab es in Mödling eine lebendige jüdische Gemeinde, die in der heutigen Kaiserin Elisabeth-Straße 7 (früher Judengasse) eine gotische Synagoge als Gebetshaus nutzte. Die vermutliche Türe der Synagoge wurde später als Archivtüre des Mödlinger Rathauses verwendet und befindet sich heute im Mödlinger Museum.

Im Zuge der  Judenverfolgungen 1420/21 wurden auch die Mödlinger Juden vertrieben und ihr gesamter Besitz entzogen. Erst um 1840 vermehrte sich wieder die Zahl der jüdischen BewohnerInnen Mödlings. Die Gottesdienste fanden anfänglich in einem Betraum in der Klostergasse 6 statt. Für die wachsende Gemeinde wurden die Räumlichkeiten aber bald zu klein.

Am 20. November 1888 erwarb die Israelitische Bethausgenossenschaft die Liegenschaft Enzersdorfer Straße 6. Dort erfolgte am 18. August 1912 die Grundsteinlegung für die Mödlinger Synagoge, die bis 1914 nach den Plänen von Architekt Ignaz Reiser erbaut wurde. Die Eröffnung fand am 16. August 1914 statt.

Bereits im Jahre 1927 kam es im Zuge sich ausbreitender antisemitischer Tendenzen zu ersten Devastierungen an der Synagoge. Vandalenakte sind auch bereits im Mai und September 1938 vermerkt. Im Herbst 1938 kam es auch in Österreich, das nun bereits Teil des Deutschen Reiches war, zu verheerenden Ausschreitungen im Zuge der sogenannten November-Pogrome. Die Mödlinger Synagoge wurde devastiert und niedergebrannt. Im Jahre 1987 wurde das Grundstück, auf dem sich noch Ruinenreste des Sakralbaues befanden, verkauft. Heute steht an diesem Platz ein Mehrfamilien-Wohnhaus.

An die jüdische Gemeinde erinnern in Mödling heute auch die sogenannten Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus. Diese wurden in Zusammenarbeit mit dem deutschen Bildhauer Gunter Demnig vor den Wohnhäusern der vertriebenen und ermordeten MödlingerInnen verlegt. Unter ihnen auch Dr. Albert Schweiger, der letzte Rabbiner der Mödlinger Kultusgemeinde (Stolperstein in der Enzersdorfer Straße 6) oder Isidor Neurat, dessen Familie eine Drahtgitterfabrik in Mödling besaß, aus der auch der Zaun vor der Synagoge stammte (Stolperstein in der Achsenaugasse 8). Beide Männer wurden in Auschwitz ermordet. 

Die Konstruktion der Mödlinger Synagoge

Das Gebäude wurde 5-6 Meter von der Enzersdorferstrasse zurückgesetzt, so dass ein straßenseitiger Vorplatz entstand. Umgeben wurde der mit Nadelbäumen geschmückte Platz von einem Drahtgitterzaun der Firma Neurath. Die Westfassade, an deren Seite sich auch der Haupteingang befand, wurde am prachtvollsten ausgeführt. Den Mittelpunkt bildete ein grosses rundes Fenster im Mittelrisalit mit Davidstern, das von 16 kleinen Rundfenstern umgeben war und über dem sich eine hebräische Inschrift befand.

Die Dachlandschaft bestand aus mansardenförmigen Dächern, welche unten weit auskragen und zuerst steiler und danach flacher anstiegen. Die Kuppel im zentralen Hauptraum wurde durch ein oktogonales Dach abgeschlossen, auf dem eine mit Blech verkleidete, achteckige Holzlaterne befestigt war. Sie besaß auf allen Seiten achteckige Fenster und einen „Betonflachrundknauf“ mit eingesetztem Davidstern zum Abschluss, wie ihn auch die zwei Turmstümpfe trugen.