{"id":611,"date":"2024-08-07T23:20:05","date_gmt":"2024-08-07T21:20:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/?page_id=611"},"modified":"2025-07-13T00:37:23","modified_gmt":"2025-07-12T22:37:23","slug":"komponisten","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/2024-2\/komponisten\/","title":{"rendered":"Komponisten"},"content":{"rendered":"\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-e5d98ecb\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns has-1-columns has-desktop-equal-layout has-tablet-equal-layout has-mobile-equal-layout has-vertical-unset\"><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-overlay\"><\/div><div class=\"innerblocks-wrap\">\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column-5e484fd7\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column\"><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-19808c0f\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion exclusive\">\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>John Adson<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>John Adson<\/strong> wurde 1586 oder 1587 in <em>Watford, Northamptonshire, England<\/em>, geboren (getauft am 24. Januar 1587). Sein hiervon abgesehen erstes dokumentiertes Auftreten ist seine Anstellung als Zinkenist am Hof von <em>Herzog Charles III. von Lothringen<\/em> in <em>Nancy<\/em> von 1604 bis 1608. Sp\u00e4testens 1613 kehrte er nach England zur\u00fcck und wurde Mitglied der <em>City Waits<\/em> in <em>London<\/em> (eine T\u00e4tigkeit, die ungef\u00e4hr zwischen Stadtpfeifern und Nachtw\u00e4chtern angesiedelt war bzw. Elemente beider Professionen umfa\u00dfte); dieses Amt behielt er bis zu seinem Tod. 1633 wurde er zus\u00e4tzlich zum k\u00f6niglichen Blasmusiker ernannt; ferner sind f\u00fcr die Jahre 1634 und 1639 Eins\u00e4tze bei <em>The King&#8217;s Theatre Company<\/em> nachgewiesen (ich habe nicht herausgefunden, was f\u00fcr eine Truppe das war). 1634 wurde er \u00fcberdies Musiklehrer von K\u00f6nig <em>Charles I<\/em>. und von diesem zum <em>Master of the King&#8217;s Music<\/em> ernannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dfer seinen <em>Courly Masquing Ayres<\/em> von 1621 sind nur vier weitere St\u00fccke von ihm \u00fcberliefert, leider unvollst\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">John Adson starb am 29. Juni 1640 in London.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Agostino Agazzari<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Agostino Agazzari<\/strong> wurde am 2. Dezember 1578 in <em>Siena<\/em> in eine adelige Familie geboren. Nachdem er wohl in seiner Heimatstadt eine musikalische Ausbildung erhalten hatte, arbeitete er von 1601 oder 1602 in <em>Rom<\/em>, zuerst am <em>Collegium Germanicum<\/em>, dann am <em>Collegium Romanum<\/em>. In dieser Zeit freundete er sich mit <em>Ludovico Grossi da Viadana<\/em> an. 1607 kehrte er nach Siena zur\u00fcck und wurde Organist und Kapellmeister an der dortigen Kathedrale. In diesem Jahr entstand sein Lehrwerk \u00fcber den ma\u00dfgeblich von Viadana entwickelten Basso continuo <em>Del suonare sopra&#8217;l basso<\/em>, einer der f\u00fcr die Verbreitung dieses revolution\u00e4ren Stils bedeutendsten Traktate, das u.a. von <em>Michael Praetorius<\/em> im Syntagma musicum ausf\u00fchrlich zitiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6glicherweise war er eine Zeitlang am Hof von <em>Kaiser Matthias<\/em> in <em>Prag<\/em> oder <em>Wien<\/em> t\u00e4tig \u2013 Genaueres habe ich nicht herausgefunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das geistliche und weltliche Schaffen Agazzaris markiert den \u00dcbergang von der Renaissance zum Barock. W\u00e4hrend seine geistlichen Werke durchweg im \u201emodernen\u201c Stil des Basso continuo kom\u00adpo\u00adniert sind (was uns nicht davon abh\u00e4lt, sie ohne B.c. zu spielen), sind seine Madrigale noch dem a-cappella-Stil der Renaissance verhaftet. Agazzari starb am 10. April 1640 in Siena<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>William Brade<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>William Brade<\/strong> wurde 1560 in <em>England<\/em> geboren. Wo genau und wann, ist nicht bekannt, ebenso wie es keine Kenntnis gibt \u00fcber seine Ausbildung und musikalische oder kompositorische T\u00e4tigkeit w\u00e4hrend seiner ersten 30 Lebensjahre. Um 1590 verlie\u00df er England in Richtung Kontinent, vermutlich Deutsch\u00adland. Fortan f\u00fchrte er ein sehr unstetes Leben mit Engagements an verschiedenen norddeutschen F\u00fcr\u00adsten\u00adh\u00f6fen, dem d\u00e4nischen K\u00f6nigshof und der Stadt Hamburg, deren Dauer meist zwischen einigen Monaten und wenigen Jahren betrug \u2013 der Rekord f\u00fcr ununterbrochene T\u00e4tigkeit liegt bei 7 Jahren (d\u00e4nischer Hof, 1599 \u2013 1606).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Ende seiner letzten Anstellung am herzoglichen Hof in <em>Gottorf<\/em> (bei Schleswig) 1625 lie\u00df sich Brade in <em>Hamburg<\/em> nieder. Dort starb er am 26. Februar 1630.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Arnold von Bruck<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Arnold von Bruck<\/strong> wurde um 1500 in <em>Br\u00fcgge<\/em> (daher sein Name) geboren. Um 1506 wurde er als Kapell\u00adknabe an der Hofkapelle des <em>Herzogs von Bur\u00adgund, Philipp des Sch\u00f6nen<\/em> (Vater von <em>Karl V<\/em>. und <em>Fer\u00addi\u00adnand I<\/em>.) aufgenommen. Als dieser im selben Jahr starb, erbte sein Sohn <em>Karl<\/em> Herzogtum und Ka\u00adpel\u00adle. Mit beidem konnte er sicherlich als Sechsj\u00e4hriger noch nicht so viel an\u00adfan\u00adgen; aber auf jeden Fall be\u00adfan\u00adden sich in dieser Zeit zwei etwa gleich\u00adaltrige Jungs namens Karl und Arnold am Hof der Regentin <em>Margarethe von \u00d6sterreich<\/em> in <em>Mecheln<\/em>, und die Vorstellung, da\u00df die beiden gemeinsam Fu\u00dfball ge\u00adspielt und Streiche ausgeheckt haben k\u00f6nnten, ist einfach zu sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vermutlich blieb Arnold von Bruck etwa bis 1519 am Hof und d\u00fcrfte u.a. bei <em>Pierre de la Rue,<\/em> der der Hof\u00adkapelle ebenfalls angeh\u00f6rte, Unterricht gehabt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1527 soll er in Frankreich die Priesterweihe empfangen haben; im selben Jahr wurde er Kapell\u00admei\u00adster am Hof des <em>Erzherzogs Ferdinand<\/em>, des sp\u00e4teren Kaisers <em>Ferdinand I<\/em>., in Wien als Nachfolger von <em>Heinrich Finck<\/em>. In dieser Stellung verblieb er, bis er 1545 in den Ruhestand ging. Danach hielt er sich noch einige Zeit in Wien auf, war Kaplan an einem der Alt\u00e4re des Stephansdoms und komponierte gelegentlich auch noch. Ab 1548 lebte er in <em>Linz<\/em>, wo er wohlsituiert am 6. Februar 1554 verstorben ist.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Josquin Desprez<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Josquin Desprez<\/strong> (eigentlich wohl <em>Josse Lebloitte dit Desprez <\/em>\u2013 Josquin ist eine Verkleinerungsform von Josse \u2013, andere Benennungen und Namensformen sind <em>Josquin d\u2019Ascanio<\/em>, <em>Josquinus Pratensis<\/em>, <em>Iodocus a Prato<\/em> sowie diverse Kombinationen daraus) wurde wohl um 1450\/55 in Nordfrankreich geboren, vermutlich in oder um Saint Quentin. \u00dcber seine Jugend ist nichts bekannt, au\u00dfer da\u00df 1466 sein Onkel Gille Lebloitte dit Desprez und seine Frau ein Testament zu seinen Gunsten aufgesetzt hatten. S\u00e4mtliche weiteren Aussagen stammen aus Quellen aus deutlich sp\u00e4terer Zeit und sind entsprechend wenig zuverl\u00e4ssig. Etwa die, da\u00df Josquin \u2013 vielleicht zusammen mit seinem Freund(?) <em>Jean Mouton<\/em> \u2013 um 1460 Chorknabe in Saint Quentin wurde, oder da\u00df er Sch\u00fcler von <em>Johannes Ockeghem<\/em> war (den er allerdings tats\u00e4chlich kannte und bewunderte). Es kann als gesichert gelten, da\u00df er zu Beginn der 1470er Jahre bereits ein ber\u00fchmter Komponist war, denn er wird in der Motette \u201eOmnium bonorum plena\u201c des etwas \u00e4lteren <em>Loyset Comp\u00e8re<\/em>, die eine F\u00fcrbitte f\u00fcr eine Reihe bedeutender Komponisten enth\u00e4lt, unter diesen aufgef\u00fchrt; diese Motette wurde vermutlich f\u00fcr die Weihe der der Kathedrale von Cambrai 1572 komponiert, auf jeden Fall aber nicht sp\u00e4ter als 1574, das Todesjahr von Guillaume Dufay, der die Reihe der Komponisten anf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Jahre 1477 und 1478 ist Josquins Anstellung als S\u00e4nger in der Kapelle des \u00fcberaus kunstsinnigen Herzogs <em>Ren\u00e9 von Anjou<\/em> in Aix-en-Provence dokumentiert (was nicht ausschlie\u00dft, da\u00df er bereits in den Jahren vorher dort t\u00e4tig war). M\u00f6glicherweise ging seine Anstellung auch noch l\u00e4nger. 1480 starb Ren\u00e9, der Staatsbesitz, zu dem auch die Kapelle geh\u00f6rte, fiel kurz darauf als \u201eKrondom\u00e4ne\u201c an K\u00f6nig <em>Ludwig XI<\/em>. und die Kapelle hatte sich an ihren neuen Dienstsitz Paris zu begeben. Vielleicht war Josquin dabei. Es gibt andererseits Hinweise, da\u00df er sich nach 1480 bereits in Italien im Dienst des sp\u00e4teren Kardinals <em>Ascanio Sforza<\/em> befand. Schlie\u00dflich erw\u00e4hnt ein Dokument aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, das die ungarische Hofkapelle zu jener Zeit beschreibt, unter ihren Mitgliedern sei auch Josquin gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1483 jedenfalls hielt er sich in Conde-sur-l\u2019Escaut auf, unweit seines Geburtsortes an der Grenze zu Burgund (heute zu Belgien), um das Erbe seines Onkels anzutreten und die Verwaltung des geerbten Grundbesitzes zu organisieren. Anschlie\u00dfend, im selben oder folgenden Jahr, begab er sich definitiv in den Dienst von <em>Ascanio Sforza<\/em> in Mailand. Von dort aus unternahm er mehrere Reisen nach Rom, m\u00f6glicherweise auch nach Paris.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1489 wurde Josquin Mitglied der p\u00e4pstlichen Kapelle, nachdem er m\u00f6glicherweise dort bereits seit 1586 \u201eals Gast\u201c(?) mitgewirkt hatte, und blieb es wohl bis 1495. Ein mittlerweile ber\u00fchmtes Graffito \u201eJosquinus\u201c, einer unter Hunderten von an der Cantoria (S\u00e4ngerkanzel) der Sixtinischen Kapelle verewigten S\u00e4ngernamen, w\u00fcrde, wenn es von unserem Josquin stammte \u2013 wovon die Wissenschaft inzwischen ausgeht \u2013, aus dieser Zeit stammen. Es ist, sofern nicht doch noch Gegenbelege auftauchen, das einzige \u201eAutograph\u201c unseres Meisters.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Josquin die Zeit nach der Anstellung bei der p\u00e4pstlichen Kapelle verbracht hat, ist wieder mal unsicher. Da\u00df er dem burgundischen K\u00f6nig <em>Philipp dem Sch\u00f6nen<\/em> 1495 ein Exemplar seines Stabat Mater zuschickte, legt die Vermutung nahe, da\u00df den Noten die Anfrage nach einer Anstellung beilag. Falls dem so war, wurde diese Anfrage wohl abschl\u00e4gig beschieden, denn es spricht vieles daf\u00fcr, da\u00df Josquin einige Jahre Mitglied der Hofkapelle des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs Ludwig XII. war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend dieser Zeit, im Jahr 1497, starb der Hofkapellmeister des Herzogs <em>Ercole I. d\u2019Este<\/em> in Ferrara. Der Herzog war wohl recht w\u00e4hlerisch, jedenfalls zog sich die Suche nach einem Nachfolger jahrelang hin. Schlie\u00dflich gerieten auch Josquin und <em>Heinrich Isaac<\/em> ins Visier der Agenten, die einen neuen Kapellmeister auftun sollten. Einem dieser Agenten namens <em>Gian de Artiganova<\/em> verdanken wir das einzige Dokument \u00fcber den Charakter Josquins (und Isaacs; vielleicht erinnert sich jemand an die Musikwoche 2017, wo ich es schon einmal erw\u00e4hnt habe). Als es letztlich darum ging, wer von diesen beiden Meistern die Anstellung bekommen sollte, schrieb Gian an den Herzog: \u201eMir scheint er [Isaac] gut geeignet, Euer Gnaden zu dienen, besser als Josquin, weil er zu seinen Musikern von liebensw\u00fcrdigerem Wesen ist und \u00f6fter neue Werke komponieren will. Dass Josquin besser komponiert, ist richtig, aber er komponiert, wenn er es will und nicht, wenn man es von ihm erwartet, und er verlangt 200 Dukaten als Lohn, w\u00e4hrend Isaac f\u00fcr 120 kommen will \u2026\u201c Josquin war der Beste und wu\u00dfte es genau, \u00fcberm\u00e4\u00dfige Bescheidenheit war ihm anscheinend nicht eigen. Trotz der Empfehlungen seines Agenten entschied sich der Herzog f\u00fcr Josquin. Im Juni 1503 erfolgte die erste \u00fcppige Gehaltszahlung an ihn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits ein Dreivierteljahr sp\u00e4ter, im April 1504, wurde die letzte Zahlung an ihn angewiesen, denn er hatte die lukrative und sicherlich musikalisch ebenso erf\u00fcllende Stellung bereits wieder aufgegeben und war Hals \u00fcber Kopf in seine Heimat, nach Cond\u00e9-sur-l\u2019Escaut, gereist. Grund daf\u00fcr war die in Ferrara grassierende Pest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Cond\u00e9-sur-l\u2019Escaut wurde Josquin Propst an der Kirche Notre Dame; eine Stellung, die betr\u00e4chtlichen weltlichen und geistlichen Einflu\u00df mit sich brachte, zumal die dortige Musikaus\u00fcbung von hoher Qualit\u00e4t war. Diese Stellung behielt er 17 Jahre, bis zu seinem Tode, bei. Er starb am 27. August 1521. Der Kirche Notre Dame vermachte er ein Haus und Grundbesitz, u.a. unter der Auflage, da\u00df bei Prozessionen durch die Stadt sein vermutlich letztes Werk, die Doppelmotette \u201ePater noster \u2013 Ave Maria\u201c vor seinem Haus am Marktplatz zu singen sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie soll man Josquins Werk w\u00fcrdigen? Er war ohne Zweifel der bedeutendste Komponist der Zeit um 1500; ob auch der beste, oder ob nicht zumindest ein Heinrich Isaac neben ihm Platz findet (meiner bescheidenen Meinung nach durchaus), l\u00e4\u00dft sich wohl nicht beantworten. Aber sein gro\u00dfes Renommee brachte es mit sich, da\u00df unz\u00e4hlige Kopisten seinen Namen an ihre \u201eHervorbringungen\u201c (was durchaus nicht durchweg negativ gemeint ist) schrieben, um sie besser verkaufen zu k\u00f6nnen. So ist ein nicht unbetr\u00e4chtlicher Teil dessen, was unter Josquins Namen auf uns gekommen ist, wohl nicht von ihm, darunter ausgesprochene \u201eLieblinge\u201c wie \u201eLa Spagna\u201c \u2013 was mich nicht gehindert hat, es trotzdem in diese Sammlung aufzunehmen \u2013, selbst vor dem gro\u00dfen \u201eMille regretz\u201c macht die Skepsis der modernen Forschung nicht halt. Insofern ist eine Beurteilung des Gesamtwerks schwierig, da es nicht sauber definiert ist. Das Problem mit den falschen \u201eJosquins\u201c war durchaus schon in alten Zeiten bekannt. Vom Liedersammler und Komponisten <em>Georg Forster<\/em> stammt der Ausspruch aus dem Jahr 1540: \u201eIch erinnere mich an einen bedeutenden Mann, der sagte, dass Josquin jetzt, da er tot ist, mehr Werke herausbringt als zu Lebzeiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassend kann man dem ber\u00fchmten Ausspruch von Martin Luther wohl zustimmen: \u201eJosquin ist der noten meister, die habens m\u00fcssen machen, wie er wolt; die andern Sangmeister m\u00fcssens machen, wie es die noten haben w\u00f6llen.\u201c<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>F\u00fcllsack\/Hildebrandt<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zacharias F\u00fcllsack <\/strong>(um 1570\u20131616) und <strong>Christian Hildebrandt<\/strong> (?\u20131649) waren Musiker in der Hamburger Ratskapelle und sind v.a. f\u00fcr die Herausgabe zweier Sammlungen von<br>Tanzst\u00fccken bekannt. F\u00fcllsack war als Posaunist und Lautenist auch an der Dresdner Hofkapelle t\u00e4tig und spielte wiederholt auch am Hof in Gottorf.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Carlo Gesualdo<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Carlo Gesualdo<\/strong>, Principe di Venosa, Conte di Conza, f\u00fcr uns versierte Musiker einfach Gesualdo, wurde am 8. M\u00e4rz (nach anderen Quellen am 30. M\u00e4rz) 1566 in <em>Venosa<\/em>, S\u00fcditalien, geboren. Sein Vater war <em>Fabrizio II<\/em>., F\u00fcrst von Venosa, sein Onkel der Kardinal und Erzbischof von Mailand <em>Carlo Borromeo<\/em> (1610 heiliggesprochen), seine Mutter eine Nichte von <em>Papst Pius IV<\/em>. Man kann ihn also als relativ gut vernetzt in h\u00f6heren Kreisen be\u00adtrach\u00adten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Carlo Gesualdo heiratete 1586 seine Cousine <em>Maria d&#8217;Avalos<\/em>; die beiden hatten einen Sohn namens <em>Emanuele<\/em>. Aber die gro\u00dfe Liebe war&#8217;s wohl nicht, jedenfalls hatte Maria eine Aff\u00e4re mit einem anderen Adeligen, <em>Fabri\u00adzio Carafa<\/em>. Carlo erfuhr davon, erwischte beide 1590 in flagranti und ermor\u00addete sie, dem Vernehmen nach auf \u00fcberaus brutale Weise. Ein gerichtliches Nachspiel gab es nicht f\u00fcr ihn \u2013 solche \u201eEhrenmorde\u201c unter Adeligen wur\u00adden nicht geahndet. Carlo floh trotzdem, um der Rache der Familien der Opfer zu entgehen, und begab sich nach Schlo\u00df <em>Gesualdo<\/em> in <em>Avellino, Kampanien<\/em>, wo er die n\u00e4chsten vier Jahre blieb, von seinem Gewis\u00adsen gepeinigt. \u00dcber den Verbleib des Sohnes Emanuele in den folgenden Jahrzehnte habe ich nichts in Erfahrung bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1594 reiste Carlo nach <em>Ferrara<\/em> und heiratete <em>Leonora d&#8217;Este<\/em>. M\u00f6glicherweise hatte die Hochzeit oder mehr noch das reiche Musikleben am Hof d&#8217;Este einen positiven Einflu\u00df auf seinen Gem\u00fctszustand, da er ermutigt wurde, seine reichlichen Emotionen (wohl immer noch gro\u00dfenteils Gewissensbisse) in musikalischer Kreativit\u00e4t zu kanalisieren. Allein 1594 ver\u00f6ffentlichte er zwei Madrigalb\u00fccher, zwei wei\u00adte\u00adre in den beiden folgenden Jahren. 1595 wurde dem Paar ein Sohn geboren \u2013 seinen Namen habe ich nicht herausfinden k\u00f6nnen. Etwa 1597 kehrte Carlo mit Frau und Sohn nach Gesualdo zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ehe mit Leonora verlief nicht gl\u00fccklich. Ihr Sohn starb 1600. Anscheinend mi\u00dfhandelte Carlo seine Frau \u00f6fter, so da\u00df sie l\u00e4ngere Zeit von ihm getrennt lebte (aber doch immer wieder zur\u00fcckkehrte). Ihre Verwandten versuchten, eine Scheidung der Ehe zu erreichen. Carlo verfiel mehr und mehr in De\u00adpres\u00adsionen und verlie\u00df das Schlo\u00df fast nie. Er hatte mehrere Diener, deren Aufgabe darin bestand, ihn auszupeitschen (darunter einen Spezialisten, der das auf der Toilette zu erledigen hatte) und f\u00fchrte nach 1610 einen Briefwechsel mit <em>Federico Borromeo<\/em>, dem Vetter seines oben erw\u00e4hnten und gerade frisch heiliggesprochenen Onkels Carlo Borromeo, um die \u00dcberlassung irgendwelcher Reliquien \u2013 sprich: K\u00f6rperteile \u2013 zu erreichen (wenn man schon einen Heiligen in der Familie hat&#8230;), von denen er sich eine Linderung seiner Depressionen und vielleicht sogar Absolution f\u00fcr seine Taten erhoffte. Er bekam eine Sandale. Immerhin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser sp\u00e4ten Lebensphase erschien sein letztes und beeindruckendstes Werk, die <em>Tenebrae-Respon\u00adsorien<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 20. August 1613 starb Emanuele, Carlos Sohn aus erster Ehe, bei einem Jagdunfall. Auf die Todesnachricht hin zog sich Carlo ins Cembalo-Zimmer seines Schlosses zur\u00fcck, lie\u00df sich wohl sehr gehen und starb 18 Tage sp\u00e4ter, am 8. September 1613.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Francisco Guerrero<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Francisco Guerrero<\/strong> z\u00e4hlt neben <em>Crist\u00f3bal de Morales<\/em> und <em>Tom\u00e1s Luis de Victoria<\/em> zu den gr\u00f6\u00dften spanischen Komponisten des 16. Jahrhunderts. Er wurde vermutlich 1528 in <em>Sevilla<\/em> geboren. Seine erste musikalische Aus\u00adbil\u00addung erhielt er von seinem \u00e4lteren Bruder <em>Pedro<\/em>; sp\u00e4ter k\u00fcmmerte sich u.a. Crist\u00f3bal de Morales darum. 1546, mit 17 oder 18 Jahren, wurde Francisco Kapellmeister an der Kathedrale von <em>Ja\u00e9n<\/em>, \u00f6stlich von Sevilla. Drei Jahre sp\u00e4ter kehrte er nach Sevilla zur\u00fcck, als S\u00e4nger an der Kathedrale. Seine Kompositionen verkauften sich im In- und Ausland sehr gut und ver\u00adschaff\u00adten ihm bereits in jungen Jahren ein hohes Ansehen. In Sevilla wurde \u2013 um ihn von Wegzugsgedanken abzubringen \u2013 extra f\u00fcr ihn die Stelle eines Assistenten des Kapellmeisters geschaffen, die er 1551 antrat, sowie ihm zugesagt, da\u00df er nach dem Tod des Kapellmeisters dessen Stelle er\u00adhal\u00adten werde. Der Kapellmeister wurde allerdings uralt \u2013 sch\u00f6n f\u00fcr ihn, be\u00addau\u00aderlich f\u00fcr Francisco, der die Nachfolge erst 23 Jahre sp\u00e4ter, im Jahr 1574, \u00fcbernehmen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von 1581 bis 1582 war er in <em>Rom<\/em>; eine weitere Romreise machte er 1588, wobei er bei dieser Gelegen\u00adheit einen Abstecher nach <em>Venedig<\/em> machte, um dort die Ausgabe seiner <em>Canciones y Villanescas espirituales<\/em> zu \u00fcberwachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ebenfalls 1588 begab sich Francisco ins <em>Heilige Land<\/em>, besuchte <em>Damaskus<\/em>, <em>Bethlehem<\/em> und <em>Jerusalem<\/em>. Auf der R\u00fcckkehr nach Spanien wurde er von Piraten gefangengenommen und mu\u00dfte freigekauft werden. Sein Buch \u00fcber diese Reise mit dem Titel <em>Viage de Hierusalem<\/em>, 1590 erschienen, war ein au\u00dfer\u00adordent\u00adlicher Erfolg und wurde bis in neueste Zeit nachgedruckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Piratenepisode und wirtschaftliche Fehlentscheidungen f\u00fchrten zu prek\u00e4ren finanziellen Verh\u00e4lt\u00adnis\u00adsen, die 1591 in einer vor\u00fcbergehenden wohlbeh\u00fcteten Unterbringung Franciscos auf k\u00f6nigliche Ko\u00adsten bei gesiebter Luft und kariertem Sonnenschein f\u00fchrten. Das Kapitel von Sevilla erkl\u00e4rte sich dann aber angesichts seiner Verdienste bereit, die Schulden zu \u00fcbernehmen, und Francisco kehrte auf freien Fu\u00df und seinen Kapellmeisterposten zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diesen Posten behielt er bis zu seinem Tod. Am 8. November 1599 starb er in Sevilla an der Pest.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Valentin Hau\u00dfmann<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Valentin Hau\u00dfmann,<\/strong> geboren um 1560 wohl in Gerbstedt unweit Halle. Sein Vater soll ein Musiker gewesen sein, der ebenfalls Valentin mit Vornamen hie\u00df und mit Luther und Johann Walter pers\u00f6nlich bekannt gewesen sein. Seine Schul- und Studienzeit hat Hau\u00dfmann angeblich zun\u00e4chst im Harz (Quedlinburg, Wernigerode) verbracht, sp\u00e4ter dann in Regensburg, wo Andreas Raselius sein Lehrer gewesen sein soll. Nach dem Studium war seine erste Anstellung als Hauslehrer in Steyr (einer Quelle zufolge). Alles in allem ist die Quellenlage \u00fcber seine Jugend und Ausbildung (und letztlich auch den Rest seines Lebens) zwischen etwas und \u00fcberaus vage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Gelegenheiten seiner fr\u00fchen Kompositionen bzw. den Orten, mit denen die Widmungen unterzeichnet sind, zufolge hat sich Hau\u00dfmann mindestens bis 1594 im s\u00fcddeutschen Raum aufgehalten. In den Jahren 1597 \u2013 1598 ist sein Aufenthalt in Norddeutschland nachgewiesen, danach war er wahrscheinlich in Preu\u00dfen und Polen unterwegs. Aus der Aussage im Vorwort der \u201eFragmenta\u201c 1602, er sei mehr-mals nach Magdeburg gekommen, das letzte Mal von Hamburg her, ist auf weiterhin rege Reiset\u00e4tigkeit zu schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungeachtet dieses bewegten Lebens f\u00fchlte sich Hau\u00dfmann doch immer seiner Heimatstadt Gerbstedt verbunden, wo er wohl auch permanent das B\u00fcrgerrecht besa\u00df. Er nannte sich durchweg Valentin Hau\u00dfmann Gerbipol(ensis) bzw. sein Monogramm lautete V.H.G. nach dem latino-gr\u00e4zisierten Namen Gerbipolis f\u00fcr Gerbstedt. Er hat sich wohl auch zwischen seinen Reisen immer wieder dort aufge-halten. Angeblich war er dort Ratsherr und Organist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber Hau\u00dfmanns Ableben ist nichts bekannt, auch wenn einige Quellen mitteilen, er sei in Gerbstedt verstorben (sie teilen leider nicht mit, woher sie das wissen). Im Jahr 1614 ver\u00f6ffentlichte der Komponist Johann Jeep im 2. Teil seiner Sammlung <em>Studenteng\u00e4rtlein <\/em>ein Lied, in dem der Tod Hau\u00dfmanns beklagt wird; dieser kann sich also nicht nach 1614 ereignet haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hau\u00dfmanns Werk ist zum gro\u00dfen Teil weltlich \u2013 geistliche Musik lag ihm weniger; es gibt deshalb neben einigen geistlichen Einzelwerken nur eine einzige Motetten-sammlung. Neben Liedern spielen Instrumentalst\u00fccke eine wesentliche Rolle; eine gro\u00dfe Menge T\u00e4nze hat er in Polen und Preu\u00dfen gesammelt und vermutlich mit eigenen S\u00e4tzen versehen (daneben gibt es aber z.B. auch St\u00fccke aus England). Ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Instrumentalmusik sind die Paduanen und Galliarden sowie die beiden Fugen der Sammlung <em>Neue Paduane und Galliarde<\/em> von 1604. Neben dem eigenen kompositorischen Werk hat Hau\u00dfmann zahlreiche Canzo-netten von Marenzio, Vecchi, Morley und anderen mit deutschen Texten (mehr oder weniger eng an die Originaltexte angelehnt) versehen und dieser Musikgattung im deutschen Sprachraum zu Beliebtheit verholfen.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Johann Heugels<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber <strong>Johann Heugel<\/strong>s (auch Johannes H. oder Hans H.) Geburtsort und -jahr besteht Uneinigkeit. \u00c4ltere Quellen geben an, er sei um 1500 in <em>Deggen\u00addorf an der Donau<\/em> (Niederbayern) geboren worden; dies scheint mittlerweile widerlegt zu sein, und man nimmt an, da\u00df Heugel um 1510 in <em>Hessen<\/em>, ent\u00adweder in der <em>Marburger<\/em> Gegend oder in <em>Kassel<\/em>, geboren wurde. Seine vor\u00adz\u00fcglichen Lateinkenntnisse lassen darauf schlie\u00dfen, da\u00df er eine gute Schul\u00adbildung genossen haben d\u00fcrfte. Seine musikalische Ausbildung hat er an\u00adschei\u00adnend zu einem nicht unwesentlichen Teil in S\u00fcdwestdeutschland und\/ oder der Schweiz erhalten. Sp\u00e4testens 1536 kam er nach <em>Kassel<\/em>; in diesem Jahr wurde er <em>Landgraf Philipps zu Hessen Gesangsmayster<\/em>. Im Dienst des Kas\u00adseler landgr\u00e4flichen Hofes blieb er, zuerst bei <em>Philipp I., \u201edem Gro\u00dfm\u00fctigen\u201c,<\/em> dann bei <em>Wilhelm IV., \u201edem Weisen\u201c,<\/em> bis zu seinem Tode. 1547 wurde er zum Kapellmeister bef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben seiner musikalischen T\u00e4tigkeit war Heugel auch als <em>Bauschreiber<\/em> im Dienst der Stadt Kassel und des Hofes t\u00e4tig, hatte in dieser Funktion Baut\u00e4tigkeiten zu dokumentieren und Handwerker zu be\u00adzah\u00adlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heugel brachte die Hofkapelle des seinerzeit recht kleinen Hofes auf hohes Niveau. Vor seinem Dienst\u00adantritt bestand sie fast nur aus Trompetern (wobei ich davon ausgehe, da\u00df diese, wie damals \u00fcb\u00adlich, durchaus mehrere Instrumente beherrschten), denen n\u00f6tigenfalls kurzfristig engagierte Kollegen zur Seite gestellt wurden; jetzt kamen ungef\u00e4hr 12 angestellte S\u00e4nger (6 Erwachsene und 6 Knaben) hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aufgabe eines Kapellmeisters bestand neben der Leitung der Musikaus\u00fcbung auch im Aufbau und der Pflege eines Repertoires. Zeugen von Heugels diesbez\u00fcglichem Wirken sind 12 B\u00fccher, von ihm selbst mit der Hand geschrieben, mit \u00fcber 730 Werken, davon etwa 500 Kompositionen von ihm, \u00fcber\u00adwiegend Motetten von 3 bis 12 Stimmen; wenige Komponisten seiner Zeit k\u00f6nnen auf ein Werk \u00e4hn\u00adlichen Umfangs zur\u00fcckblicken. Gedrucktes von ihm gibt es kaum, er scheint auch keinen gro\u00dfen Wert darauf gelegt zu haben. Dessenungeachtet war er zu Lebzeiten \u00fcber seinen recht engen Wirkungskreis hinaus ein ber\u00fchmter Mann, und Kompositionen von ihm finden sich etwa im Repertoire der Kapelle am k\u00f6niglichen Hof in <em>Kopenhagen<\/em>. Allerdings geriet er bald nach seinem Tod in Vergessenheit \u2013 ob wegen sich wandelnden Geschmacks, wegen der mangelnden Verbreitung seiner Werke im Druck oder wegen der Schwierigkeit und Instrumentenhaftigkeit seiner Vokalmusik, dar\u00fcber kann man lange dis\u00adku\u00adtieren. Mu\u00df man aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johann Heugel starb Ende 1584 oder Anfang 1585 in Kassel.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Anthony Holborne<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber <strong>Anthony Holborne<\/strong> ist nicht besonders viel bekannt. Er wurde um 1545 in England geboren; 1562 begann ein gewisser <em>Anthony Holburne<\/em> ein Studium in Cambridge \u2013 vielleicht unser Mann. Ein Londoner desselben Namens wurde 1565 in den <em>Inner Temple Court<\/em> in London aufgenommen, eine Aus\u00adbil\u00addungsst\u00e4tte f\u00fcr Juristen. Falls dieser angehende Advokat mit unserem Komponisten identisch ist, wis\u00adsen wir jetzt also, da\u00df der Musik nicht in jeder seiner Lebensphasen sein Hauptaugenmerk galt. Sicher ist, da\u00df Anthony Holborne einen Bruder namens <em>William<\/em> hatte, der ebenfalls komponierte, da\u00df er 1584 heiratete und drei T\u00f6chter hatte. In seinen Werkausgaben bezeichnete er sich als <em>Servant to her most excellent maiestie<\/em>. Es ist allerdings nicht ganz klar, worin seine Dienste bestanden, jedenfalls ist er in den Listen der <em>Chapel Royal<\/em> nicht verzeichnet. Nebenbei arbeitete er, wie <em>Robert Dowland<\/em> (John Dowlands Sohn) schrieb, als Gerichtsdiener.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt zwei Ausgaben mit Werken von Holborne: <em>The Cittarn Schoole<\/em> von 1597, ein Schul- und Sam\u00admel\u00adwerk f\u00fcr die Cister, dessen Inhalt wohl im Laufe vieler Jahre entstanden ist und von Holborne selbst als \u201edie verfr\u00fchten Fr\u00fcchte meiner Jugend\u201c bezeichnet wird; und die <em>Pavans, Galliards, Almains and other short Aeirs<\/em> von 1599, die zweifellos einen H\u00f6hepunkt der englischen Tanzmusik jener Zeit darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anthony Holborne starb am 29. November 1602, einer Mitteilung seiner Frau zufolge an einer Er\u00adk\u00e4ltung.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Heinrich Isaac<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Heinrich Isaac<\/strong> (andere Namensformen: Ysaac, Ysac, Ysach; in Italien auch Arrigo il Tedesco [Heinrich der Deutsche] oder Arrigo d&#8217;Ugo [Heinrich, der Sohn von Hugo]) wurde um das Jahr 1450 in Flandern geboren. Abgesehen von der Tatsache, da\u00df sein Vater <em>Hugo<\/em> hie\u00df und im Februar 1489 starb, liegt seine Herkunft im Dunkeln. Auch \u00fcber seine musikalische Ausbildung ist nichts bekannt. Jeden\u00adfalls scheint er um 1484 bereits so ber\u00fchmt gewesen zu sein, da\u00df er das Interesse von <em>Lorenzo de&#8216; Medici<\/em>, ge\u00adnannt <em>Il Magnifico<\/em> (der Pr\u00e4chtige) in <em>Florenz<\/em> weckte, der ihn als S\u00e4nger f\u00fcr den Dom anwarb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erste sichere Dokument ist ein Zahlungsbeleg vom 15.9.1484, eine Zahlung an <em>Hainrichen ysaac Com\u00adponisten<\/em> am Hof von <em>Siegmund dem M\u00fcnzreichen<\/em>, <em>Herzog von Tirol<\/em>, in <em>Innsbruck<\/em>; vermutlich hielt sich Isaac auf der Durchreise nach Italien einige Zeit dort auf und bet\u00e4tigte sich kompositorisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Lorenzo de&#8216; Medici hatte Isaac ein enges und vertrauensvolles Verh\u00e4ltnis. Er unterrichtete die S\u00f6h\u00adne Lorenzos, darunter <em>Giovanni<\/em>, den sp\u00e4teren <em>Papst Leo X<\/em>., in Musik und schrieb Musik zu einigen von Lo\u00adren\u00adzos Gedichten. Leider kamen die gl\u00fccklichen Zeiten j\u00e4h zum Ende \u2013 im April 1492 starb Lo\u00adren\u00adzo unerwartet, nur 43-j\u00e4hrig. Nach einem kurzen Intermezzo im Dienst von Lorenzos Sohn <em>Piero de&#8216; Medici<\/em> wandte sich Isaac etwa 1495 nach <em>Pisa<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dort hielt sich im Herbst 1496 nach einem recht dilettantischen und folgerichtig gescheiterten Versuch, die Franzosen aus Italien zu vertreiben, der r\u00f6misch-deutsche K\u00f6nig und sp\u00e4tere Kaiser <em>Maximilian I<\/em>. auf. Fl\u00e4mische Musiker genossen an F\u00fcrstenh\u00f6fen einen hervorragenden Ruf, und der musikbegeisterte Maxi\u00admilian d\u00fcrfte hocherfreut gewesen sein, einem solchen Musiker ohne Anstellung zu begegnen, und nahm Isaac als Hofkomponisten in seinen Dienst. Umgehend begab dieser sich nach <em>Wien<\/em>. Im April 1497 unterschrieb er in Innsbruck sein Dienstgel\u00f6bnis als <em>Componist und diener<\/em>.&nbsp; In den folgenden Jahren war Isaac im Gefolge Maximilians viel unterwegs in \u00d6sterreich und S\u00fcddeutschland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab 1502 lebte er wieder haupts\u00e4chlich in Florenz \u2013 es hatte schon Vorteile, nicht Hofkapellmeister zu sein (als solcher h\u00e4tte er bei K\u00f6nig und Kapelle sein m\u00fcssen), sondern Hofkomponist (komponieren kann man \u00fcberall). Im gleichen Jahr bewarb er sich allerdings um die Leitung der Hofkapelle des Her\u00adzogs <em>Ercole I. d&#8217;Este<\/em> in <em>Ferrara<\/em>. In der engeren Wahl war au\u00dfer ihm auch <em>Josquin Desprez<\/em>. Einer der mit der Auswahl befa\u00dften Agenten, <em>Gian de Artiganova<\/em>, schrieb im September 1502 an den Herzog:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eIch muss Euer Gnaden mitteilen, dass Isaac der S\u00e4nger in Ferrara gewesen ist und eine Motette \u00fcber eine \u201aLa mi la sol la sol la mi\u2018 betitelte Fantasie geschrieben hat; diese ist sehr gut, und er schrieb sie in zwei Tagen. Daraus kann man nur schlie\u00dfen, dass er sehr schnell in der Kunst der Komposition ist; im \u00fcbrigen ist er gut artig und umg\u00e4nglich. &#8230; er hat sich die Zeit von einem Monat f\u00fcr die Antwort ausbedungen, ob er dienen will oder nicht. &#8230; Mir scheint er gut geeignet, Euer Gnaden zu dienen, besser als Josquin, weil er zu seinen Musikern von liebensw\u00fcrdigerem Wesen ist und \u00f6fter neue Werke komponieren will. Dass Josquin besser komponiert, ist richtig, aber er komponiert, wenn er es will, und nicht, wenn man es von ihm erwartet, und er verlangt 200 Dukaten als [Jahres-]Lohn, w\u00e4hrend Isaac f\u00fcr 120 kommen will &#8230;\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Herzog entschied sich dann trotz des schwierigeren Wesens und der deutlich h\u00f6heren Gehalts\u00adforderung f\u00fcr Josquin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im folgenden Jahr, 1503, kam Maximilians Sohn <em>Philipp der Sch\u00f6ne<\/em> aus <em>Burgund<\/em> mit\u00adsamt seiner Hofkapelle unter Leitung von <em>Pierre de la Rue<\/em> in Innsbruck zu Be\u00adsuch. Isaac komponierte zu diesem Anlass die Missa <em>Virgo prudentissima<\/em> und war mit der Wiener Hofkapelle anwesend, des weiteren der Hoforganist <em>Paul Hof\u00adhaimer<\/em> und m\u00f6glicherweise <em>Jacob Obrecht<\/em> auf der Durchreise nach Italien \u2013 ein seltenes \u201eGipfeltreffen\u201c einiger der ber\u00fchmtesten Komponisten ihrer Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von April bis Juli 1507 fand in <em>Konstanz<\/em> ein Reichstag statt, auf dem Maximilian sich u.a. von den Reichsst\u00e4nden (Kurf\u00fcrsten, Landes- und Stadtherren usw.) die \u2013 v. a. finanzielle \u2013 Unterst\u00fctzung f\u00fcr seine Reise nach Rom, um sich dort vom Papst zum Kaiser kr\u00f6nen zu lassen, einholen wollte, ferner f\u00fcr die Zur\u00fcckdr\u00e4ngung der Franzosen aus Italien und schlie\u00dflich f\u00fcr einen Kreuzzug gegen die T\u00fcrken. Mit dabei waren die Hofkapelle mit dem Hofkomponisten Isaac und dem Hoforganisten Hofhaimer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1508 schlug der Wiener Hofkapellmeister und sp\u00e4tere Bischof von Wien, <em>Georg Slatkonia<\/em>, dem Konstanzer Domkapitel vor, Isaac mit der Komposition von Motetten zum Mess-Proprium aller Hauptfeste (d.h. aller Sonntage und was dazwischen so anf\u00e4llt) des Kirchenjahres zu beauftragen. Dieses Werk, sein gr\u00f6\u00dftes, mit dem Titel <em>Choralis Constantinus<\/em> war ein Jahr sp\u00e4ter vollendet. Allerdings hat Isaac den Druck seines Werkes nicht mehr erlebt; sein Sch\u00fcler <em>Ludwig Senfl<\/em> hat die Druckausgabe vorbereitet, aber auch er war schon lange verstorben, ehe es in den Jahren 1550 bis 1555 endlich in N\u00fcrnberg herauskam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1510 verlieh der Kaiserhof Isaac Landg\u00fcter im <em>Val Policella<\/em> bei <em>Verona<\/em>; m\u00f6glicherweise sollten deren Eink\u00fcnfte als Ersatz f\u00fcr bar zu zahlendes Sal\u00e4r dienen. Isaac lebte weiterhin in Florenz und nahm offenbar f\u00fcr den Kaiser beim Haus Medici diplomatische Aufgaben wahr (Isaac sei <em>\u201euns in Florenz nutzer dann an unserm Hof\u201c<\/em>) \u2013 und, wie gesagt, Kompositionen schicken konnte er auch von Florenz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1513 wurde sein fr\u00fcherer Sch\u00fcler <em>Giovanni de&#8216; Medici<\/em>, Sohn von <em>Lorenzo dem Pr\u00e4chtigen<\/em>, zum Papst gew\u00e4hlt und nannte sich <em>Leo X<\/em>. Aus Anla\u00df des Antrittsbesuchs des kaiserlichen Gesandten <em>Matth\u00e4us Lang<\/em> 1513\/14 komponierte Isaac die gro\u00dfe Staatsmotette <em>Optime pastor<\/em>. Der Besuch diente sicherlich auch der Versicherung, da\u00df man in der insgesamt instabilen und wechselhaften politischen Lage zwischen den M\u00e4chten Kaiser, Papst, Venedig und Frankreich (nebst weiteren) auf derselben Seite stand; und wer konnte die Gemeinsamkeit besser betonen als Isaac, der kaiserliche Hofkomponist, der mit dem Papst seit dessen Kindheit pers\u00f6nlich bekannt war? Insofern kann diese Motette, in der das gemeinsame Interesse des Kampfes gegen die T\u00fcrken und andere Feinde (Venedig, Frankreich?) betont wird, auch als diplomatischer Akt verstanden werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Herbst 1516 erkrankte Isaac. Im Dezember machte er sein letztes Testament (das dritte), in dem er der Laienbruderschaft <em>Santa Barbara<\/em>, deren Mitglied er seit 1502 war, ein Verm\u00f6gen hinterlie\u00df, das dem Viertel des Wertes seines Hauses entsprach. Er starb am 26. M\u00e4rz 1507.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Kopenhagener Stimmb\u00fccher von 1541<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der K\u00f6niglichen Bibliothek Kopenhagen liegt unter der Signatur \u201eGl. kgl. Samling 1872.4\u00b0\u201c (allgemein zitiert als \u201eKB 1872\u201c) ein ganz besonderer Schatz: 7 handgeschriebene Stimmb\u00fccher, bis auf eines unversehrt, die zum Repertoire der k\u00f6niglichen Hofkapelle geh\u00f6rten. Wir haben hier also die Besonderheit (neben der Tatsache, dass das \u00dcberleben der B\u00fccher in Kopenhagen \u00fcber Jahrhunderte voller Kriege, Stadtbr\u00e4nde usw. schon gewissen Seltenheitswert hat), dass wir die Exemplare haben, aus denen tats\u00e4chlich am Hof gespielt wurde, und somit der Hofkapelle ein wenig \u00fcber die Schulter schauen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die original erhaltenen Einb\u00e4nde der Stimmb\u00fccher tragen die Jahreszahl 1541. Man sollte aber nicht davon ausgehen, dass das Werk in diesem Jahr vollendet worden ist \u2013 die B\u00fccher wurden erst gebunden und dann vollgeschrieben\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stimmb\u00fccher enthalten 163 St\u00fccke zu 5 bis 16 Stimmen verschiedener Genres. Man findet Lieder, Motetten, Einzels\u00e4tze von Messen und verschiedene Arten von dezidierter Instrumentalmusik. Ein gro\u00dfer Teil ist ohne Komponistenangabe, die genannten Komponisten sind \u00fcberwiegend die \u201egro\u00dfen Namen\u201c Europas \u2013 Josquin Desprez, Ludwig Senfl, Antoine Brumel, Nicolas Gombert, Caspar Othmayr, Philippe Verdelot, daneben u.a. die eher lokal bedeutenden Adrian Petit Coclico und J\u00f8rgen Presten. Nicht wenige der hier \u00fcberlieferten St\u00fccke sind Unica, d.h. es sind keine anderen Ausgaben bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fast das gesamte Werk wurde von einem einzigen Schreiber hergestellt. Dieser ist nirgends genannt; haupts\u00e4chlich auf Grund von Schriftvergleichen mit Briefen kann man aber mit Sicherheit davon ausgehen, dass es der Erste Trompeter der Hofkapelle, Georg Heyde (in D\u00e4nemark: J\u00f8rgen Heyde), war. Dieser ist erstmals 1535 nachgewiesen als Trompeter am Hof des preu\u00dfischen Herzogs Albrecht in K\u00f6nigsberg. Wohl wegen Streitigkeiten innerhalb der Kapelle wechselter er 1542, ausgestattet mit einem Empfehlungsschreiben der Herzogs, nach Kopenhagen an den Hof von Christian III., dem Schwager des Herzogs. Auf ihn warteten neben den vielf\u00e4ltigen Aufgaben des Ersten Trompeters auch schon die im Vorjahr gebundenen, aber noch leeren Stimmb\u00fccher\u2026<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten-2019\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/07\/Kopenhagen1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-195\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fehler k\u00f6nnen jedem passieren\u2026<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie die St\u00fccke aus den Stimmb\u00fcchern aufgef\u00fchrt worden sind, ist nicht ganz klar. Es handelt sich zum \u00fcberwiegenden Teil um Vokalmusik, allerdings sind nur wenige Texte unterlegt, und dann auch meist nur in der Bassus-Stimme. Die Hypothese, die Noten seien von den S\u00e4ngern der Hofkapelle benutzt worden, die als Profis die Texte auswendig kannten, \u00fcberzeugt mich nicht \u2013 sie h\u00e4tten dann auch die Noten auswendig gekonnt, und man h\u00e4tte keine Stimmb\u00fccher gebraucht. Einigen St\u00fccken sind Instrumentierungsanweisungen (\u201eKrumbh\u00f6rner\u201c; \u201e4 Zincken und 4 Pusaun\u201c usw.) hinzugef\u00fcgt. Man kann davon ausgehen, dass die Noten f\u00fcr die Bl\u00e4ser bestimmt waren. Ob als Begleitung f\u00fcr S\u00e4nger, deren Noten nicht erhalten sind, oder f\u00fcr eine rein instrumentale Verwendung, ist nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Orlando di Lasso<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Orlando di Lasso<\/strong> (auch Roland de Lassus) wurde um 1532 in <em>Mons im Hennegau<\/em> (heute Belgien, s\u00fcd\u00adwestlich von Br\u00fcssel) geboren. Als Kind war er Kapellknabe in seiner Heimatstadt und erregte durch sei\u00adne sch\u00f6ne Stimme die Aufmerksamkeit von Anwerbern von adeligen H\u00f6fen, die das Land auf der Suche Nachwuchs f\u00fcr die Kapellen durchstreiften. Es wird berichtet, dass er von solchen Agenten zweimal entf\u00fchrt wurde und von seinen Eltern zur\u00fcckgeholt werden musste. 1544, also mit ungef\u00e4hr 12 Jahren, trat er in den Dienst von <em>Ferrante Gonzaga<\/em>, Vizek\u00f6nig von Sizilien, der zuf\u00e4llig in der Gegend war, und begleitete diesen auf seiner \u00fcber ein Jahr w\u00e4hrende Heimreise nach <em>Palermo<\/em>. Im folgenden Jahr wurde sein Dienstherr in <em>Mailand<\/em> zum Gouverneur ernannt und nahm seine Musiker nat\u00fcrlich mit dort\u00adhin&nbsp; Als Orlando 1549 in den Stimmbruch kam, gab Ferrante ihn in die Obhut eines Bekannten in <em>Neapel<\/em>. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, er kam ganz sch\u00f6n rum in Italien und eignete sich um\u00adfassende musikalische, sprachliche und allgemein \u201egesellschaftliche\u201c Kenntnisse vom Leben bei Ho\u00adfe wie bei den einfachen Leuten an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1553 wurde er Kapellmeister der <em>Cappella Pia<\/em> an der <em>Lateranbasilika<\/em>, der nach dem <em>Petersdom<\/em> zweit-be\u00addeu\u00adtendsten Kirche <em>Roms<\/em>; man geht davon aus, dass bei der Vergabe so eines prestigetr\u00e4chtigen Postens an einen etwa 21-J\u00e4hrigen wohl Vitamin B im Spiel war \u2013 m\u00f6glicherweise hat hier <em>Kardinal Ercole Gon\u00adza\u00adga<\/em>, der Bruder seines ersten Dienstherrn, ein gutes Wort eingelegt. Aber schon ein gutes Jahr sp\u00e4ter verlie\u00df Orlando die Cappella Pia (sein Nachfolger war \u00fcbrigens <em>Giovanni Pierluigi da Palestrina<\/em>), um sich in seine Heimat zu begeben, weil es seinen Eltern schlecht ging. Leider waren sie bei seiner Ankunft bereits verstorben. Er reiste dann zusammen mit einem Freund gleich weiter Richtung England, wo die gro\u00dfe Hochzeit von <em>Prinz Philipp von Spanien<\/em> (dem zuk\u00fcnftigen <em>K\u00f6nig Philipp II<\/em>.) mit <em>Mary Tudor<\/em> (der zu\u00adk\u00fcnf\u00adtigen <em>K\u00f6nigin Mary I.<\/em>) unmittelbar bevorstand. Der Freund, soviel ist bekannt, bekam in England eine Mordanklage an den Hals und musste, um ebendiesen zu retten, bei Nacht und Nebel das Land wie\u00adder verlassen. Ob Orlando mit in England war oder ihn nur bis irgendwo in Frankreich begleitet hat, dar\u00fcber habe ich unterschiedliche Angaben gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">N\u00e4chste, wiederum gesicherte Station auf seinem Lebensweg war dann jedenfalls <em>Antwerpen<\/em>. Hier hielt er es tats\u00e4chlich mal zwei Jahre aus. Dies war eine Stadt nach dem Geschmack eines weltgewandten Mu\u00adsikers \u2013 hier kamen Leute aus aller Herren L\u00e4nder zusammen, darunter sicherlich haufenweise so\u00adwohl Fachkollegen als auch anderweitig interessante Kontakte; und hier residierten renommierte Musik\u00adverleger (u.a. ein besonders renommierter namens <em>Tielman Susato<\/em>) mit denen Orlando alsbald in frucht\u00adbare Gesch\u00e4ftsbeziehungen eintrat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So sch\u00f6n es in Antwerpen auch war, vom Komponieren und Notenverkaufen allein lebt es sich l\u00e4ngst nicht so sch\u00f6n wie als Kapellmeister an einem F\u00fcrstenhof. Mit den Widmungen in seinen Drucken hoff\u00adte er, dass sich einer der Adressaten (im allgemeinen einflussreiche Herrschaften aus dem n\u00e4heren Umkreis von K\u00f6nigen, Herzogen etc.) bei seinem Herrn f\u00fcr ihn verwenden w\u00fcrde. Italien oder Spanien k\u00e4me ihm ganz recht. Leider hatte er mit dieser Methode keinen Erfolg. Aber der Augsburger Kaufmann <em>Johann Jakob Fugger<\/em> wurde auf ihn auf\u00admerk\u00adsam und nutzte seine guten Verbindungen zum Hof des <em>Herzogs Al\u00adbrecht V.<\/em> in <em>M\u00fcnchen<\/em>, um ihn dorthin zu vermitteln; dort konnten sie wohl ge\u00adra\u00adde einen Tenors\u00e4nger brauchen. In dieser Kapelle, die einige Jahrzehnte zuvor von <em>Ludwig Senfl<\/em> aus einer mittelpr\u00e4chtigen Musikantentruppe in ein hochwertiges Ensemble verwandelt worden war, bezog er von Anfang an ein bemerkenswert hohes Gehalt, so dass vermutet wird, dass er neben dem eigentlichen Kapellmeister <em>Ludwig Daser<\/em> auch dessen Aufgaben mit versah. Ihr gegenseitiges Verh\u00e4ltnis war denn auch nicht ganz ungetr\u00fcbt. Ein Grund, warum Daser den Neuank\u00f6mmling Orlando vor die Nase gesetzt be\u00adkam, war wohl, dass er (Daser) deutlich mit dem Protestantismus lieb\u00ad\u00e4ugel\u00adte (und sp\u00e4ter auch konvertierte); damit kam er bei Herzog Albrecht \u00fcberhaupt nicht gut an. Er wurde krank, konnte kaum noch arbeiten, verlie\u00df M\u00fcnchen 1563 und begab sich in evangelische Gefilde, nach <em>Stuttgart<\/em>. Dort ging es ihm wieder besser.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dem Komponieren, dem Unterricht f\u00fcr die Chorknaben und dem Abhalten von Proben mit der Kapelle geh\u00f6rte zu Orlandos Pflichten auch das Herumreisen in Europa zwecks Gewinnung neuer Musi\u00adker. In den ersten Jahren f\u00fchlte er sich allerdings am Hof nicht besonders wohl, er soll sogar er\u00adwogen haben, sich anderswo nach einer Stelle umzutun. Die Arbeitsbedingungen waren nicht ideal; der Herzog verlangte dauernd neue Kompositionen, betrachtete diese aber dann als sein ausschlie\u00dfliches Eigentum und erlaubte dem Komponisten nicht, seine eigenen Werke drucken zu lassen. Aber im Laufe der Zeit verbesserte sich sein Verh\u00e4ltnis zu seinem Dienstherrn, insbesondere als er 1563 offiziell als Dasers Nachfolger Hofkapellmeister wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings bef\u00fcrchtete man bei Hofe immer wieder, ihr Star (und das war Orlando zweifellos) k\u00f6nne sich doch mal eine neue Stelle suchen. Er hatte Kontakte zu H\u00f6fen in ganz Europa, und sein Dienst\u00adherr \u2013 zuerst Albrecht, ab 1579 sein Sohn <em>Wilhelm<\/em> \u2013 sah es nicht gern, wenn mal wieder Briefe aus fernen L\u00e4ndern f\u00fcr den Kapellmeister kamen\u2026 Aber Orlando blieb dem M\u00fcnchner Hof erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1591 erkrankte er (m\u00f6glicherweise hatte er einen Schlaganfall), erholte sich aber wieder und nahm seine Kapellmeister-T\u00e4tigkeit wieder auf, obwohl ihm der Herzog angeboten hatte, in den Ruhestand zu gehen; vielleicht war ihm das Ruhestands-Gehalt zu niedrig. Es gab immer wieder finanziell bedingte Stellenstreichungen in der Hofkapelle, und 1594 stand Orlando selber auf der Streichliste, kam der Entlassung aber zuvor. Nachdem er im Mai noch seine <em>Bu\u00dftr\u00e4nen des Heiligen Petrus<\/em> fertiggestellt hatte, starb er kurz darauf, am 14. Juni 1594.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Michael Praetorius<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ichael Praetorius<\/strong> wurde 1571 (oder 1572, aber das w\u00e4re weniger schicksalhaft und insofern bedauerlich) in Creuzburg an der Werra, nahe Eisenach (heute im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt) geboren. Sein Vater, Michael Schulteis \u2013 <em>Praetorius<\/em> ist die lateinische \u00dcbersetzung von <em>Schulthei\u00df<\/em> \u2013 , war lutherischer Pfarrer. Praetorius besuchte die Lateinschule in Torgau (Sachsen), sp\u00e4ter die in Zerbst (Anhalt). 1585 nahm er das Studium der Philosophie und Theologie an der Universit\u00e4t Frankfurt an der Oder auf. Ende 1586 starb sein \u00e4lterer Bruder Andreas, Theologieprofessor an der Frankfurter Universit\u00e4t, der f\u00fcr seinen Lebensunterhalt gesorgt hatte; daraufhin \u00fcbernahm Praetorius, obwohl er \u00fcber den schulischen Musikunterricht hinaus keine musikalische Ausbildung erhalten zu haben scheint, das Amt des Organisten an der dortigen Universit\u00e4ts- und Pfarrkirche St. Marien, f\u00fchrte daneben aber seine Studien weiter. Seine Anstellung endete nach etwa 3 Jahren, um 1590 verlie\u00df er Frankfurt ohne Studienabschlu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1592 oder 1593 kam Praetorius nach Wolfenb\u00fcttel bei Braunschweig, seit sp\u00e4testens 1595 war er im Dienst des Herzogs <em>Heinrich Julius<\/em> von Braunschweig-L\u00fcneburg t\u00e4tig, zun\u00e4chst als Organist. Am 2.8.1596 nahm er an der <em>Gr\u00f6ninger Orgelprobe <\/em>teil, m\u00f6glicherweise als Organisator. In Gr\u00f6ningen in der N\u00e4he von Halberstadt hatte Heinrich Julius eine prachtvolle Residenz; dort lie\u00df er eine gro\u00dfe Orgel, seinerzeit die drittgr\u00f6\u00dfte in Deutschland, bauen, die 1596 mit einem \u201eOrganistenkongress\u201c unter Teilnahme von 53 der bedeutendsten Organisten Deutschlands eingeweiht wurde \u2013 neben Michael Praetorius waren u.a. Hieronymus Praetorius aus Hamburg, Johann Steffens aus L\u00fcneburg und Hans Leo Ha\u00dfler aus Augsburg gekommen. Eine perfekte Gelegenheit, Kontakte zu Kollegen zu kn\u00fcpfen. 1604 wurde er zum herzoglichen Kapellmeister ernannt, \u00fcbte aber weiterhin auch das Organistenamt aus. 1605 erschien unter dem Titel <em>Musae Sioniae oder Geistliche Concert Ges\u00e4nge, Erster Theil<\/em>, der erste Band seiner zahlreichen geistlichen Vokalkompositionen im Druck. Unter der F\u00f6rderung des kunstsinnigen Herzogs erwarb sich Praetorius in den n\u00e4chsten Jahren den Ruf eines der f\u00fchrenden Komponisten im protestantischen Teil Deutschlands. In kurzer Folge kamen weitere Kompositionen im Druck heraus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1613 verstarb unerwartet Herzog Heinrich Julius; f\u00fcr Praetorius bedeutete das das Ende des relativ ruhigen Lebens in der Provinz. Vom kurf\u00fcrstlichen Hofe in Dresden kam die Anfrage, ob man ihn w\u00e4hrend des Trauerjahres, in dem sich musikalisch am Wolfenb\u00fctteler Hof nichts abspielte, \u201eausleihen\u201c k\u00f6nne. So trat er im Herbst 1613 sein neues Amt als \u201eKapellmeister von Hause aus\u201c in Dresden an. Nach Ablauf eines Jahres wollte er wieder zur\u00fcck und schickte dem neuen Herzog, Friedrich Ulrich, Vorschl\u00e4ge zur Reorganisation der Wolfenb\u00fctteler Kapelle. Diese blieben unber\u00fccksichtigt, was auch darin begr\u00fcndet sein k\u00f6nnte, dass Friedrich Ulrich von seinem Vater nicht nur das Herzogtum, sondern auch hohe Schulden geerbt hatte, hingegen nicht die Musikbegeisterung, und der Musik daher nicht oberste Priorit\u00e4t beima\u00df. So blieb Praetorius bis zum Fr\u00fchjahr 1616 in Dresden (war allerdings wohl noch l\u00e4nger dort angestellt, denn er erhielt bis 1618 finanzielle Zuwendungen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die T\u00e4tigkeit am dortigen kurf\u00fcrstlichen Hofe brachte erhebliche k\u00fcnstlerische Aufgaben und Herausforderungen mit sich, aber durch die Ber\u00fchrung mit neuen Moden und Str\u00f6mungen und den Kontakt mit international erfahrenen Musikern auch viele Inspirationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab 1616 war Praetorius als gesch\u00e4tzter musikalischer Berater und Organisator viel unterwegs, teilweise zusammen mit ber\u00fchmten Kollegen (etwa die Einrichtung der \u201eConcertmusik\u201c am Magdeburger Dom zusammen mit Samuel Scheidt und Heinrich Sch\u00fctz). Als er 1620, \u00fcberarbeitet und krank, nach Wolfenb\u00fcttel zur\u00fcckkehrte, war die Kapelle stark heruntergekommen, und seine Anstellung, die in gewissem Umfang wohl weiterbestanden hatte, wurde nicht mehr verl\u00e4ngert. Am 15. Februar 1621 starb Michael Praetorius in Wolfenb\u00fcttel, gerade einmal 50-j\u00e4hrig. Den gr\u00f6\u00dften Teil seines nicht unbetr\u00e4chtlichen Verm\u00f6gens gab er in eine mildt\u00e4tige Stiftung f\u00fcr Arme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein umfangreiches, erhaltenes Werk besteht \u00fcberwiegend aus geistlicher Vokalmusik, von schlichten Chorals\u00e4tzen bis hin zu prachtvollen, mehrch\u00f6rigen Konzertkompositionen. Diesen geistlichen Werken sollte eigentlich ein weltliches \u0152uvre vergleichbaren Umfanges gegen\u00fcbergestellt werden, leider wurde davon nur ein Band mit franz\u00f6sischen Tanzs\u00e4tzen gedruckt. (Angeblich sollen die anderen Ausgaben fertiggestellt und auch schon am Wolfenb\u00fctteler Hof in Benutzung gewesen sein, aber noch nicht im Druck erschienen. Sie sind verschollen.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben verfasste Praetorius ein \u00fcberaus wichtiges musiktheoretischen Werk, das dreib\u00e4ndige <em>Syntagma musicum<\/em> (Musikalische Ordnung), eine unsch\u00e4tzbare Quelle zur Musik der ausgehenden Renaissance und des beginnenden Barock, bestehend aus einem Band zur Musikgeschichte (1615), einem zur Instrumentenkunde (1619) und einem zur Auff\u00fchrungspraxis (1619). Zu einem geplanten und bereits konzipierten vierten Band kam Praetorius nicht mehr. Der zweite Band, <em>De Organographia<\/em> (Beschreibung der Instrumente) enth\u00e4lt \u2013 neben ausf\u00fchrlichen Er\u00f6rterungen alter und neuer Orgeln \u2013 eingehende Beschreibungen aller (na gut \u2013 der meisten) damals in Deutschland bekannten Instrumente; in einem Anhang werden diese sehr genau abgebildet (sowie einige exotische Instrumente, bei denen manchmal der Eindruck nicht zu vermeiden ist, die Zeichnung sei nach dem H\u00f6rensagen entstanden, und einiger biblischer Instrumente, die Praetorius aus der <em>Musica getutscht<\/em> des Sebastian Virdung \u00fcbernommen hat). Diese Darstellung des bekannten Instrumentariums geht an Umfang und Genauigkeit weit \u00fcber diejenigen von Virdung und Agricola hinaus \u2013 nicht zuletzt auch bedingt durch den Fortschritt der Drucktechnik in den mehr als 100 Jahren zwischen Virdungs <em>Musica getutscht<\/em> (1511) und Praetorius\u2018 <em>Organographia<\/em> (1619). Sie ist h\u00e4ufig die einzige Information \u00fcber das Aussehen von Instrumenten, die wir ansonsten nur, wenn \u00fcberhaupt, aus schriftlichen Erw\u00e4hnungen kennen, und es war in den letzten Jahrzehnten oft m\u00f6glich, allein auf dieser Grundlage diese Instrumente zu rekonstruieren.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Balthasar Resinarius<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Balthasar Resinarius<\/strong>, eigentlich <em>Balthasar Harzer<\/em>, wurde um 1483 in <em>Tetschen<\/em> in B\u00f6hmen, (heute D\u011b\u010d\u00edn, Tschechien) geboren. Seine Musikalit\u00e4t muss fr\u00fch erkannt worden sein \u2013 er erhielt seine Ausbildung als S\u00e4ngerknabe in der Hofkapelle von <em>Kaiser Maximilian I.<\/em> sowie als Sch\u00fcler von <em>Heinrich Isaac<\/em> (vermutlich gleichzeitig). Im Jahr 1515 ist er im Matrikel der Universit\u00e4t Leipzig als <em>Baldassar Harczer<\/em> zu finden. Ab 1523 war er katholischer Pfarrer in Tetschen. Hier geriet er in einen heftigen Streit mit einem luthe\u00adrischen Prediger, im Verlaufe dessen er beim b\u00f6hmischen K\u00f6nig um Hilfe ansuchte, w\u00e4hrend der Kon\u00adtra\u00adhent sich hilfesuchend an Martin Luther wandte. Es ist nicht bekannt, ob die in diesem Streit ge\u00e4u\u00dfer\u00adten theologischen Gedanken ihn so beeindruckt haben oder ob es ganz andere Gr\u00fcnde gibt \u2013 jedenfalls konvertierte er irgendwann danach und wirkte von 1534 bis zu seinem Tod in <em>B\u00f6hmisch Leipa<\/em> (heute \u010cesk\u00e1 L\u00edpa, Tschechien) unter seinem latinisierten Namen Resinarius als protestantischer Pfarrer und Bischof. Er starb 1544.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Ludwig Senfl<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ludwig Senfl<\/strong> wurde 1486 oder etwas sp\u00e4ter in <em>Z\u00fcrich<\/em> oder <em>Basel<\/em> ge\u00adboren. Bereits mit 10 oder 11 Jahren kam er an die Hofkapelle K\u00f6nig (sp\u00e4\u00adter Kaiser) <em>Maximilians I.<\/em>, wo <em>Heinrich Isaac<\/em> sein Lehrer war. 1507 nahm er mit der Hofkapelle am Reichstag in <em>Konstanz<\/em> teil und blieb anschlie\u00dfend mit Isaac dort, um ihm bei der Komposition des <em>Choralis Constantinus<\/em> zu helfen. In den folgenden Jahren, als Isaac immer l\u00e4nger durch Abwesenheit gl\u00e4nzte, \u00fcbernahm Senfl, formell nur Altist, faktisch auch seine Aufgabe als Hof\u00adkomponist. Nachdem Maximilian 1519 ge\u00adstor\u00adben war, l\u00f6ste sein Nachfolger <em>Karl V.<\/em> die Hofkapelle auf, und Senfl sa\u00df mit vielen seiner Kollegen auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1523 wurde er vom bayerischen Herzog <em>Wilhelm IV.<\/em> in <em>M\u00fcnchen<\/em> als Hof\u00adkapellmeister angestellt und brach\u00adte die Kapelle, einen ziemlich zusammengew\u00fcrfelten Musi\u00adkan\u00adten\u00adhau\u00adfen, so auf Vordermann, dass sich 33 Jahre sp\u00e4ter der gro\u00dfe <em>Orlando di Lasso<\/em> von ihrem Renommee nach M\u00fcnchen locken lie\u00df. Senfl blieb Leiter der Hofkapelle bis zu seinem Tod 1543.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl Senfl freundschaftlich mit <em>Luther<\/em> und protestantischen F\u00fcrsten korrespondierte (und von die\u00adsen auch Kompositionsauftr\u00e4ge annahm), ist nicht klar, wie er zur Reformation stand. Wenn er ihr gro\u00ad\u00dfe Sympathien entgegenbrachte, verbarg er dies jedenfalls \u2013 ansonsten h\u00e4tte er wohl im ka\u00adtho\u00adli\u00adschen Bayern einen schweren Stand gehabt.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Johannes Schultz<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber Johannes Schultz ist sehr wenig bekannt. Er wurde im Fr\u00fchjahr 1582 in <em>L\u00fcneburg<\/em> geboren, war ab 1605 in <em>Dannenberg an der Elbe<\/em> am dortigen F\u00fcrstenhof als Organist t\u00e4tig und starb dort verarmt am 16. Februar 1653. Sein kompositorisches K\u00f6nnen h\u00e4tte eine ausf\u00fchrlichere Biographie verdient.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Johannes Sommer<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johann Sommer wurde um 1570 vermutlich in <em>Ostfriesland<\/em> geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er bei dem Organisten <em>Cornelius Conradi<\/em> in <em>Emden<\/em>. Ab 1591 war er am Hof von <em>Herzog Johann Adolf<\/em> in <em>Gottorf<\/em> (bei Schleswig) t\u00e4tig. 1601 wechselte er nach <em>L\u00fcneburg<\/em>, wo er die Ratsmusik leitete und \u201evor einen Synckenbleser zu dienen\u201c hatte. 1609 kehrte er nach Gottorf zur\u00fcck und wurde dort Hofkapellmeister. 1619 schlie\u00dflich ging er nach <em>Bremen<\/em> als Ratsmusikmeister. 1627 ist er dort gestorben.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Thomas Stoltzer<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Thomas Stoltzer<\/strong> wurde um 1470\/75 in <em>Schweidnitz<\/em> in <em>Schlesien<\/em> (heute <em>Swidnica<\/em> in Polen) geboren. \u00dcber seine Jugend ist nichts bekannt. M\u00f6glicherweise war er Sch\u00fcler von <em>Heinrich Finck<\/em>. Er schlug eine geist\u00adliche Laufbahn ein, wirkte ab 1519 als <em>vicarius discontinuus<\/em> (Kleriker ohne Anwesenheitspflicht) mit Ver\u00adant\u00adwortung f\u00fcr die Kirchenmusik in <em>Breslau<\/em> (heute <em>Wroclaw<\/em>), ab 1522 als Priester in Schweidnitz. Im selben Jahr berief ihn <em>K\u00f6nig Ludwig II. von Ungarn und B\u00f6hmen<\/em> auf Bitten seiner musikliebenden Frau <em>Maria<\/em>, der Schwester <em>Karls V.<\/em>, als Hofkapellmeister an den Hof in <em>Ofen<\/em> (heute <em>Budapest<\/em>). Hier baute Stoltzer eine gro\u00dfe Kapelle auf. K\u00f6nigin Maria veranlasste Stoltzer u.a. zur Vertonung von 4 Psalmen in Luthers \u00dcbersetzung, interessanterweise einige Zeit, bevor Luthers \u00dcbersetzung des Alten Testaments fertig war \u2013 Maria mu\u00df also mit Luther in so engem Kontakt gestanden haben, da\u00df er ihr die \u00dcber\u00adset\u00adzun\u00adgen schon vorab geschickt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Ofen machte Stoltzer die Bekanntschaft von <em>Herzog Albrecht von Preu\u00dfen<\/em>. Dieser wollte ihn gern in seinen Dienst nehmen; Stoltzer z\u00f6gerte anfangs, sich an einem lutherischen Hof anstellen zu lassen, auch wenn er der Reformation eigentlich nicht abgeneigt war. Letztlich entschied er sich aber daf\u00fcr und schickte einen Brief zusammen mit einer Psalmvertonung an Albrecht. Allerdings kam es nie zu einer Anstellung, stattdessen legt ein Vermerk der preu\u00dfischen Kanzlei auf dem Brief \u201eThomas seliger schreibet\u201c die Vermutung nahe, da\u00df Thomas Stoltzer bald nach der Absendung des Briefes zu Tode gekommen ist. Es gibt mehrere unterschiedlich plausible Erkl\u00e4rungen \u00fcber sein Schicksal: Er sei bei der Flucht des Hofes vor den T\u00fcrken von Ofen nach Prag 1526 bei <em>Znaim in M\u00e4hren<\/em> (heute <em>Znojmo<\/em>, Tschechien) in der Thaya ertrunken; oder er sei bei der vernichtenden Niederlage Ludwigs gegen die T\u00fcrken bei Mohacs am 29. August 1526 an der Seite seines K\u00f6nigs gefallen. Jedenfalls ist davon auszugehen, da\u00df Thomas Stoltzer im Jahr 1526 gestorben ist.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div><strong>Thomas Weelkes<\/strong><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Thomas Weelkes<\/strong> wurde am 25. Oktober 1576 im Dorf <em>Elsted<\/em> bei <em>Chichester<\/em>, West Sussex, getauft; sei\u00adne Geburt d\u00fcrfte wohl im selben Jahr stattgefunden haben. \u00dcber seine Jugend ist nichts bekannt. 1597 erschien sein erster Band mit Madrigalen. 1598 nahm eine Organistenstelle am <em>Win\u00adchester College<\/em> an. Schlechte Bezahlung und mangelnde Karrierem\u00f6glichkeiten f\u00fchrten dazu, da\u00df er 1601 oder 1602 das College verlie\u00df. In der gleichen Zeit studierte er Musik in <em>Oxford<\/em> und machte 1602 einen Abschlu\u00df als <em>Bachelor of Music<\/em>. Anschlie\u00dfend bekam er eine Stelle als Organist und Chorleiter an der Kathedrale von <em>Chichester<\/em>. Diese behielt er, mit mindestens einer kurzen Unterbrechung, bis an sein Lebensende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weelkes litt mehr oder weniger sein Leben lang darunter, in der Provinz t\u00e4tig zu sein und nicht in einer Position, die seinem zweifellos vorhandenen Talent entsprach (z.B. am K\u00f6nigshof oder an einer der richtig gro\u00dfen Kathedralen). Aber neben seinem Pech, da\u00df seine F\u00f6rderer dazu tendierten, h\u00f6heren Orts in Ungnade zu fallen und somit als Karrieresprungbretter auszufallen, sowie der Abgelegenheit seiner Dienstorte stand ihm in erheblichem Ma\u00df sein Lebenswandel im Weg \u2013 er war dem Genu\u00df geistiger Getr\u00e4nke allzusehr zugetan, erschien gelegentlich offenkundig betrunken zum Gottesdienst und flog deswegen auch vor\u00fcbergehend aus seinem Dienstverh\u00e4ltnis in Chichester hinaus. Auf einer Reise nach London starb Thomas Weelkes am 30. November 1623.<\/p>\n<\/div><\/details>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":365,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_crdt_document":"","_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"h5ap_radio_sources":[],"footnotes":""},"class_list":["post-611","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=611"}],"version-history":[{"count":31,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/611\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":794,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/611\/revisions\/794"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/365"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}