{"id":146,"date":"2022-09-11T22:21:30","date_gmt":"2022-09-11T20:21:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/?page_id=146"},"modified":"2024-08-07T23:54:00","modified_gmt":"2024-08-07T21:54:00","slug":"komponisten","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/2022-2\/komponisten\/","title":{"rendered":"Komponisten"},"content":{"rendered":"\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-e5d98ecb\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns has-1-columns has-desktop-equal-layout has-tablet-equal-layout has-mobile-equal-layout has-vertical-unset\"><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-overlay\"><\/div><div class=\"innerblocks-wrap\">\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column-5e484fd7\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column\"><\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-19808c0f\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion exclusive\">\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>William Byrd<br><\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>William Byrd<\/strong> wurde um 1540 in London geboren (seine eigenen Angaben \u00fcber sein Geburtsjahr sind widerspr\u00fcchlich \u2013 in seinem Testament vom No\u00advem\u00adber 1622 schreibt er \u201ein the 80th year of age\u201c, was seine Geburt im Jahr 1541 oder 1542 nahelegt, w\u00e4hrend in einem von ihm verfa\u00dften Dokument von 1598 steht, er sei \u201e58 yeares or ther abouts\u201c, was auf 1539 oder 1540 hin\u00addeu\u00adtet). \u00dcber seine Jugend wei\u00df man nichts Genaues, aber mit gro\u00dfer Wahr\u00adschein\u00adlichkeit war er als Knabe an der <em>Chapel Royal<\/em> und geno\u00df dort eine musi\u00adkalische Ausbildung von Thomas Tallis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Byrds erste Anstellung, von der wir wissen, war als Organist und Chorleiter an der Kathedrale von <em>Lincoln<\/em>. Sie dauerte bis 1572 und verlief nicht immer ganz harmonisch: 1569 bekam er \u00c4rger mit dem Domkapitel wegen \u201ecertain matters alleged against him\u201c, was zu einer vor\u00fcbergehenden Einbehaltung oder K\u00fcrzung seines Gehalts f\u00fchrte. Vermutlich war den Herrschaften im ziem\u00adlich puritanisch gepr\u00e4gten Lincoln die Polyphonie seiner Chors\u00e4tze und sei\u00adnes Orgelspiels zu ausschweifend. Ihm wurden dann auch detaillierte In\u00adstruk\u00adtionen \u00fcberreicht, wie die Orgel in der Liturgie hink\u00fcnftig zu handhaben sei. Andererseits wu\u00dfte man Byrds Kirchenmusik durchaus zu sch\u00e4tzen, denn auch nachdem er seine Stellung in Lincoln 1572 gek\u00fcndigt hatte, um an die<em> Chapel Royal<\/em> in London zu wechseln (den Titel <em>Gentleman of the Chapel Royal<\/em> hat\u00adte er bereits seit 1569), zahlte das Domkapitel ihm weiterhin ein reduziertes Gehalt, um auch in Zu\u00adkunft seine Kompositionen (soweit f\u00fcr puritanisch gepr\u00e4gte anglikanische Gottesdienste brauchbar) zu\u00adge\u00adschickt zu bekommen. Die Stelle in London war \u00fcbrigens kurzfristig frei geworden, nachdem der bis\u00adhe\u00adrige Inhaber, <em>Robert Parsons<\/em>, bei einem Unfall ertrunken war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Zeit gab es zwei parallele Entwicklungen: Zum einen erfreute Byrd sich mittlerweile eines hervorragenden Rufes in Hofkreisen, zum anderen begann er, seinen katholischen Glauben deutlicher und unverbl\u00fcmter zu zeigen. Letzteres w\u00e4re ohne ersteres ein gef\u00e4hrliches Unternehmen gewesen. Byrd allerdings schadete es einstweilen nicht oder nicht nennenswert \u2013 im Gegenteil geno\u00df er eine derartige Wert\u00adsch\u00e4tzung seitens K\u00f6nigin Elisabeth, da\u00df sie Thomas Tallis und ihm im Jahr 1575 gemeinsam auf 21 Jahre (nach anderen Quellen 25 Jahre) das alleinige Recht gew\u00e4hrte, Noten zu drucken, zu im\u00adpor\u00adtie\u00adren und Notenpapier herzustellen. Das erste Werk, das die beiden noch im Jahr der Patent-Erteilung herausbrachten, war eine Motettensammlung namens <em>Cantiones quae ab argumento sacrae vocantur (Ges\u00e4nge, die nach ihrem Inhalt als geistlich bezeichnet werden)<\/em>, kurz <em>Cantiones sacrae<\/em>, die nat\u00fcrlich der K\u00f6nigin gewidmet war und zu der jeder von ihnen 17 Motetten beisteuerte, weil 1575 ihr 17. Regierungsjahr war. Der Kurz\u00adtitel ist insofern problematisch, als Byrd sp\u00e4ter noch zwei Ausgaben <em>Cantiones sacrae<\/em> herausbrachte Musikalisch war die Sammlung vom Feinsten, eine \u00fcberaus aufwendig und sorgf\u00e4ltig gestaltete Ausgabe, aber leider war das Unternehmen vielleicht gerade deshalb wirtschaftlich ein totaler Fehlschlag, so da\u00df sie die K\u00f6nigin um ein \u201eRettungspaket\u201c bitten mu\u00dften, das ihnen dann auch in Form ihnen auf 21 Jah\u00adre \u00fcbertragener L\u00e4ndereien bzw. deren Ertrag gew\u00e4hrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Tallis verband Byrd auch au\u00dferhalb der professionellen Sph\u00e4re eine enge Freundschaft; Tallis war der Patenonkel von Byrds zweitem Sohn Thomas (geb. um 1576).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Laufe der 1570er Jahre wurde die Situation zwischen den Katholiken und der englischen Krone im\u00admer angespannter. Auch f\u00fcr Byrd wurde die Luft d\u00fcnner; als 1583 ein prominenter katholischer Freund im Verdacht stand, mit dem <em>Throckmorton Plot<\/em>, einer Verschw\u00f6rung zur Ermordung von K\u00f6nigin Eli\u00adsa\u00adbeth und zur Inthronisation der (katholischen) schottischen K\u00f6nigin <em>Mary Stuart<\/em> zu tun zu haben, und \u00fcber\u00addies bekannt wurde, da\u00df Byrd Exil-Katholiken finanziell unterst\u00fctzte, wurde er vor\u00fcbergehend aus der Chapel Royal ausgeschlossen, er durfte sich nicht frei bewegen und sein Haus wurde durchsucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letztlich aber war Byrd ein zu bedeutender Musiker, als da\u00df er die Zeiten der Katholikenverfolgung in Eng\u00adland nicht deutlich leichter \u00fcberstanden hat als sehr viele Andere \u2013 zumal er weiterhin auch angli\u00adka\u00adni\u00adsche Kirchenmusik komponierte. Das Notendruck- und -import-Patent bzw. die auf dieser Basis erhobenen Geb\u00fchren machten ihn einigerma\u00dfen wohlhabend, zumal er nach Tallis&#8216; Tod 1585 alleiniger Patentinhaber war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Enge Beziehungen hatte Byrd neben Tallis auch zu seinem Sch\u00fcler <em>Thomas Morley<\/em>, aber auch mit <em>Philippe de Monte<\/em> verband ihn eine langj\u00e4hrige Freundschaft, die sich u.a. darin zeigte, da\u00df Monte im Jahr 1583 an Byrd eine 8-stimmige Motette \u201eSuper flumina Babylonis\u201c schickte, worauf Byrd sich im folgenden Jahr mit der Sendung eines zweiten Teils (\u201eQuomodo cantabimus\u201c) an den Frend revanchierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">William Byrd starb am 4. Juli 1623 in seinem Wohnort der letzten 30 Jahre, Stondon Massey in Essex.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>William Brade<\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>William Brade<\/strong> wurde 1560 in England geboren. Wo oder wann genau, ist nicht bekannt. Um 1590 kam er an den brandenburgischen Hof nach Berlin und f\u00fchrte im folgenden ein recht unstetes Wan\u00adderl\u00adeben. 1594 ging er an den d\u00e4nischen K\u00f6nigshof, 1596 kehrte er nach Berlin zur\u00fcck, 1599 erneut nach Kopen\u00adhagen \u2013 hier traf er neben anderen Musikern auch <em>John Dowland<\/em>, der im Vorjahr eine Stelle als Hoflautenist angetreten hatte. M\u00f6glicherweise hielt er es diesmal sogar bis 1606, also ganze 7 Jahre, an einem Ort aus. M\u00f6glicherweise war er aber zwischendurch nochmal in Berlin, in den Auf\u00adzeich\u00adnun\u00adgen der Hofkapelle wird 1603 ein <em>Wilhelm Brandt<\/em> genannt \u2013 war das vielleicht Brade?.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1606 jedenfalls verlie\u00df Brade Kopenhagen, begab sich an den Hof des Grafen Ernst zu Holstein-Schaum\u00adburg in <em>B\u00fcckeburg<\/em> (etwa 50 km west-s\u00fcdwestlich von Hannover) und blieb dort bis 1608. Das n\u00e4ch\u00adste Ziel war Hamburg, wo er die n\u00e4chsten zwei Jahre die <em>Ratsmusik<\/em> leitete (in dieser Funktion war er ein fr\u00fcher Vorg\u00e4nger von <em>Georg Philipp Telemann<\/em>, der \u00fcber 100 Jahre sp\u00e4ter Leiter der Ratsmusik war). 1610 ging es zur\u00fcck nach B\u00fcckeburg, man will ja nicht einrosten. Diesmal blieb er drei Jahre dort. Ab 1612 arbeitete er dort zusammen u.a. mit <em>Thomas Simpson<\/em>, der&nbsp; neu engagiert worden war; zusammen mit weiteren eng\u00adli\u00adschen Musikern bildete man die <em>english music<\/em> und war ein bi\u00dfchen was besseres in der Hofkapelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1613 allerdings gab es dann dicke Luft in B\u00fcckeburg \u2013 Brade wollte mehr Geld; nicht ein bi\u00dfchen mehr, son\u00addern ordentlich mehr, 1000 Taler im Jahr anstatt der vereinbarten 400. Wenn der Graf das nicht zah\u00adle, gebe es halt keine Musik mehr von ihm, dann gehe er halt wieder nach Hamburg. Wie es aus\u00adsieht, war Brade selber nicht das Problem (oder zumindest nicht das einzige), sondern vielmehr Mrs. Brade.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wissen das alles aus einem Brief, den der erboste Graf Ernst an den Amtmann in Pinneberg (Vorort von Hamburg) schrieb, mit der Bitte, er m\u00f6ge bei den beiden B\u00fcrgermeistern in Hamburg vor\u00adstel\u00adlig zu werden und ihnen <em>\u201eglimpflich anzeigen welchergestalt wir Wilhelm Brats auf sein vielfeltiges instendiges An\u00adhalten f\u00fcr zween Jahren zum Violisten wiederumb zu Dienst angenommen und ihm j\u00e4hrlich 400 Thaler nebend einem sammiten Kleide und einem Fuder Roggken zu Besoldung geben und entrichten lassen, womit er auch bis dato con\u00adtent und zufrieden gewesen, hat sich aber itzo durch sein unruhiges Weib so weit zu besonderer Muthwilligkeit und Meu\u00adterei bewegen lassen, dass er offentlich durffen anzeigen, wofern wir ihm in kunfftig jedes Jahr nicht tausend Thaler nebens einem sammitten Kleide geben wolten, dass er uns dann zu dienen nicht gedachte, welche grobe Unbesonnenheit wir an ihm zwar wol alspalt wolten haben vindiciret und ihm und seinem Weibe und Kindern das Thor weisen lassen; weil er aber diesen Ostern unsere Kleider entfangen und sich dadurch also tacite noch uf ein Jahr lang obligieret und verbunden hat, soll er auch hiernebens so viel vermerket, dass wenn sein Muthwille ihm hie lenger nicht angehen, er sich dann wieder gen Hamburg begeben wollte, auff den Fall begereten wir an die Burgermeistere hiemit gnedig, sie wollten es dahin diri\u00adgi\u00adren, dass er, Wilhelm Bratt, als ein muthwilliger, frevelhafftiger Geselle in der Statt Hamburg nicht geduldet, sondern die ihm verpoten werden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Brief verfehlte seine Wirkung; als Brade, beim Grafen frisch rausgeflogen, 1613 in Hamburg ein\u00adtraf, stand im Probenraum der Ratsmusik schon das Dirigentenpult f\u00fcr ihn bereit. (Ob tats\u00e4chlich oder im \u00fcbertragenen Sinne, soll jetzt hier nicht er\u00f6rtert werden.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Jahre leitete Brade die Hamburger Ratsmusik, da fiel ihm eines Tages auf, da\u00df er eigentlich lange nicht in Kopenhagen gewesen war. Also beendete er 1615 sein Hamburger Engagement und begab sich mal wieder an den d\u00e4nischen Hof. Dort blieb er bis 1618, ging dann als Kapellmeister an den Hof des Ad\u00admi\u00adnistrators Christian Wilhelm von Magdeburg in Halle. Ja, das ist kompliziert mit den Orten, lohnt sich aber nicht weiter auszuf\u00fchren, denn schon im August 1618 war Brade wieder weg und wurde am her\u00adzoglichen Hof in G\u00fcstrow (Mecklenburg, s\u00fcdlich von Rostock) als Leiter der Hofkapelle angestellt. Interessant ist, da\u00df in der Bestallungsurkunde auch seine beiden S\u00f6hne erw\u00e4hnt werden: <em>\u201eer dan auch sol befehligt sein, uber die andern Musicanten, so wir bey Hoff in Uffwartung haben, billiger ma\u00dfen zu commandiren und sie nebenst seinen beiden s\u00f6hnen und andern, die wir seiner Unterweisung untergeben m\u00f6chten, zu guter \u00dcbung an\u00adzu\u00adhal\u00adten.\u201c<\/em>&nbsp; Die S\u00f6hne und die \u201eandern\u201c scheinen also noch keine \u201eVollmitglieder\u201c der Kapelle zu sein, son\u00addern eine Art Lehrlinge. Das Gehalt f\u00fcr Brade und seine S\u00f6hne betrug 1000 Gulden, was weit \u00fcber dem Durchschnitt lag \u2013 die Instrumentalisten bekamen durchweg unter 100 Gulden, selbst der be\u00adr\u00fchm\u00adte englische Lautenist John Stanley, der einige Jahre sp\u00e4ter angestellt wurde, bekam nur 400 Gulden j\u00e4hrlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber f\u00fcrstliches Gehalt sch\u00f6n und gut, wo sollte man das viele Geld ausgeben im tiefsten Hinterland? Also packte die Familie Brade wieder mal die Koffer und verabschiedete sich 1619 von G\u00fcstrow. Vermutlich ging es nach Berlin, aber das finde ich nicht in allen meinen Quellen. Wie auch immer, 1620 lockte wie\u00adder einmal Kopenhagen (ist ja auch wirklich eine sch\u00f6ne Stadt), und Brade folgte seiner Natur (oder war es die seiner Frau?), d.h. beschr\u00e4nkte seine Aufenthaltsdauer auf zwei Jahre, bis 1622. Dem schlo\u00df sich ein Engagement als Leiter der Hofkapelle in Gottorf (bei Schleswig) an am Hof des Herzogs Fried\u00adrich von Schleswig-Holstein-Got\u00adtorf, der gerade dabei war, seine Residenz \u2013 Drei\u00dfigj\u00e4hriger Krieg hin oder her \u2013 zu einem der be\u00addeu\u00adtendsten kulturellen Zentren im Norden auszubauen. Hier hielt Brade es immerhin drei Jahre aus, bis 1625. Danach ging es wieder nach Hamburg. und dann hatte es ein Ende mit der Herumzieherei. In Hamburg verbrachte er, wohl ohne weiteres Engagement bei der Rats\u00admusik oder sonstwo, seinen Le\u00adbens\u00adabend. Am 26. Februar 1630 starb William Brade in Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er hatte wohl drei S\u00f6hne und eine Tochter. Die erw\u00e4hnten zwei musizierenden S\u00f6hne waren Christian, der am Kopenhagener und Gottorfer Hofe als Lautenist Karriere machte, und Stefan, von dem nur be\u00adkannt ist, da\u00df er Musiker war, aber weder Instrument noch Engagements.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>John Dowland<\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>John Dowland<\/strong> wurde ca. 1563 geboren, m\u00f6glicherweise in London. Allerdings kommt auch Irland als Her\u00adkunftsland in Frage, weil in seiner letzten Sammlung, <em>A Pilgrim&#8217;s Solace<\/em> (1612), ein Lied eine Wid\u00admung tr\u00e4gt: <em>\u201eto my loving countryman Mr. John Forster the younger, merchant of Dublin in Ireland\u201c<\/em>. Aber wie auch im\u00admer, die n\u00e4chste Information, die wir von Dowland haben, ist ein Aufenthalt in Paris von 1579\/1580 bis 1584. Hier war er beim englischen Botschafter Sir <em>Henry Cobham<\/em> und dann seinem Nachfolger Sir <em>Ed\u00adward Stafford<\/em> angestellt, wie es hei\u00dft, <em>\u201eum die geistreiche Profession der Musik zu erlernen\u201c<\/em>. Der Botschafter mei\u00adnes Landes im Ausland w\u00e4re nicht meine erste Wahl, wenn ich Musik lernen wollte, aber okay&#8230; In Paris trat Dowland zum Katholizismus \u00fcber, was er sp\u00e4ter in Anbetracht seiner geschrumpften beruf\u00adli\u00adchen Chancen sehr bereut hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1584 kehrte er nach England zur\u00fcck, heiratete, und 1586 wurde sein Sohn Robert geboren, der sp\u00e4ter ebenfalls Musiker wurde. Ob es weitere Kinder gab, ist nicht bekannt. 1588 erhielt er den Grad eines Bachelor of Music in Oxford, im gleichen Jahr wie Thomas Morley (vermutlich kannten sie sich also vom Studium).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1594 bewarb er sich um den vakanten Posten eines Hoflautenisten am K\u00f6nigshof, wurde aber ab\u00adge\u00adlehnt. Vermutlich kam ihm jetzt zum ersten Mal die Idee, da\u00df die Konversion zum Katholizismus kein guter Plan war. Bald danach reiste er nach Deutschland, zun\u00e4chst nach Wolfenb\u00fcttel an den Hof von Her\u00adzog <em>Heinrich Julius<\/em>. Dieser war \u00fcberaus musikliebend (in seinen Diensten befand sich neuerdings auch ein junger talentierter Organist namens <em>Michael Praetorius<\/em>) und war bereit, Dowland fast jeden Preis zu zahlen, wenn dieser nur in seinen Dienst tr\u00e4te. Dowland selber schrieb dar\u00fcber: <em>\u201eIf I would serve him, he would give me as much as any prince in the world.\u201c<\/em> Aber er wollte weiter und begab sich nach Kassel an den Hof des noch musikliebenderen Landgrafen <em>Moritz von Hessen<\/em>. Dieser wollte ihn ebenfalls einstellen, aber Dowland hatte andere Pl\u00e4ne: Er wollte nach Rom, um sich bei <em>Luca Marenzio<\/em> weiterzubilden. Wei\u00adter ging die Reise \u00fcber N\u00fcrnberg und Venedig nach Florenz, wo er u.a. <em>Giulio Caccini<\/em> traf und vor dem Herzog <em>Ferdinando I. de&#8216; Medici<\/em> spielte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Florenz erfuhr er von einer Verschw\u00f6rung von englischen Exilanten zur Ermordung von K\u00f6nigin Eli\u00adsabeth. Er war wohl soweit ins Vertrauen gezogen worden, da\u00df er einem G\u00f6nner, <em>Robert Cecil, 1. Earl of Salisbury<\/em>, detaillierte Angaben \u00fcber die Dunkelm\u00e4nner machen konnte. Entsetzt machte er, da\u00df er weg\u00adkam, verzichtete auf den Besuch bei Marenzio und eilte zur\u00fcck \u00fcber N\u00fcrnberg nach Kassel (er mach\u00adte sich wohl Sorgen, im fernen England k\u00f6nne der Verdacht aufkommen, er habe doch etwas mit der Angelegenheit zu tun, wenn er l\u00e4ngere Zeit in der N\u00e4he der Verschw\u00f6rer bliebe). In Kassel blieb er ei\u00adni\u00adge Zeit und kehrte wahrscheinlich 1596 nach England zur\u00fcck. Mit Marenzio wechselte er sehr freund\u00adliche Briefe \u2013 dieser hatte sich vermutlich genauso auf Dowland gefreut wie umgekehrt. Ein kur\u00adzer Brief Marenzios hat es sogar in die Vorrede des <em>First Booke of Songes<\/em> geschafft, das Dowland 1597 her\u00adaus\u00adbrachte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im selben Jahr bekam Dowland auch aus Cambridge den Grad eines Bachelor of Music.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Erscheinen des First Booke kam Post aus D\u00e4nemark, man habe am Hof von K\u00f6nig <em>Christian IV.<\/em> eine Lautenistenstelle frei. 1598 wurde Dowland also Hoflautenist in Kopenhagen. Er wurde f\u00fcrstlich entlohnt. In dieser Zeit war einer seiner Kollegen <em>William Brade<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1603 starb K\u00f6nigin Elisabeth. Im selben Jahr erschienen die <em>Lachrimae or seven Teares<\/em>. Dowland widmete sie K\u00f6nigin <em>Anne<\/em>, der Frau des neuen K\u00f6nigs <em>James I.<\/em> und, wie der Zufall so spielt, Schwester seines Chefs in D\u00e4nemark, Christian IV. Dowland wollte immer noch, wie sein ganzes Leben schon, Hof\u00adlau\u00adte\u00adnist in London werden; vielleicht konnte er sich \u00fcber diese Widmung ins Gespr\u00e4ch bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dowland, der alle seine Ausgaben in England herausbrachte und deshalb immer wieder l\u00e4nger Urlaub nahm (was der K\u00f6nig gar nicht gern sah) hatte wieder ziemlich lange f\u00fcr die Vorbereitung und Durch\u00adf\u00fch\u00adrung der Publikation gebraucht, und dann war auch noch schlechtes Wetter bei der R\u00fcckreise; so kam es, da\u00df er erst 1604 wieder in Kopenhagen eintraf. Jetzt lief es nicht mehr ganz so gut mit der Be\u00adzah\u00adlung; fr\u00fcher war immer im voraus bezahlt worden, jetzt mu\u00dfte er manchmal seinem Geld hinter\u00adher\u00adren\u00adnen oder drauf warten \u2013 Schulden waren die Folge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1606 wurde Dowland entlassen. Vielleicht wegen der \u00fcberzogenen Urlaube. Es kann aber auch sein, da\u00df man bei Hofe einfach sparen mu\u00dfte, denn ein wenig auff\u00e4llig (angesichts Brades Reiselust allerdings nicht zu sehr) ist, da\u00df Dowland und Brade, die wohl teuersten Musiker am Hof, gleichzeitig ihre Koffer pack\u00adten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dowland kehrte 1606 nach England zur\u00fcck. Die finanzielle Lage blieb angespannt. Irgendwann bekam er eine Anstellung als Lautenist bei einem hochdekorierten Veteranen (und sp\u00e4terem Lord High Trea\u00adsurer des K\u00f6nigs), das hielt ihn \u00fcber Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und endlich, 1612, wurde John Dowland <em>musician for the lutes<\/em> am Hof von K\u00f6nig James. Man sollte mei\u00adnen, jetzt ginge es richtig los, endlich w\u00e4re Herr Dowland gl\u00fccklich und die Lauten- und En\u00adsem\u00adble\u00admusik w\u00fcrde fortan nur so auf das Publikum herniederprasseln. Aber das Gegenteil ist der Fall \u2013 die letz\u00adte Ausgabe mit Dowlands Kompositionen namens <em>A Pilgrim&#8217;s Solace<\/em> erschien 1612, danach kam nichts mehr. Vielleicht kam er ja vor lauter Lautespielen bei Hof nicht zum Komponieren und Drucken\u00adlassen&#8230; Wir wissen es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 26. April 1626 starb John Dowland in London.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>Alfonso Ferrabosco, der \u00c4ltere<\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alfonso Ferrabosco, der \u00c4ltere<\/strong>, wurde am 18. Januar 1543 in Bologna getauft und d\u00fcrfte wohl in zeit\u00adlicher und \u00f6rtlicher N\u00e4he geboren worden sein. Sein Vater war Musiker, zeitweise Kapellmeister der <em>Cappella Giulia<\/em> im Vatikan und Mitglied der p\u00e4pstlichen Kapelle; daher verbrachte Alfonso seine fr\u00fche Kind\u00adheit in Rom. 1555 mu\u00dfte der Vater seine Stellung aufgeben, weil der in diesem Jahr inthronisierte Papst Paul IV. keine verheirateten M\u00e4nner in seinen Diensten duldete, und kehrte samt Familie nach Bologna zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1559 stand Alfonso zusammen mit zwei seiner Br\u00fcder in den Diensten des lothringischen Kardinals Char\u00adles de Lorraine-Guise, eines der (einflu\u00df-)reichsten Kirchenf\u00fcrsten und Politiker Frankreichs. Er war beteiligt an den Hochzeitsfeierlichkeiten des Herzogs Emanuel Philibert von Savoyen mit Mar\u00adga\u00adre\u00adthe, der Tochter des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1562 kam er nach England an den Hof von K\u00f6nigin Elisabeth, die so begeistert von ihm war, da\u00df sie ihm eine Pension von etwa 66\u00a3 j\u00e4hrlich gew\u00e4hrte. (Zum Vergleich: keine 30 Jahre fr\u00fcher bekam <em>Chri\u00adsto\u00adpher Tye<\/em> in Ely als Organist und Chorleiter 10\u00a3 Jahresgehalt. Inflation hin oder her \u2013 alles in allem ein ganz nettes S\u00fcmmchen f\u00fcr einen 19-j\u00e4hrigen Neuank\u00f6mmling.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon im folgenden Jahr, nach der Ausbezahlung des Jahresgehalts, verlie\u00df Ferrabosco die Anstellung und England.; 1564 war er bei Kardinal Alessandro Farnese in Rom angestellt, bekam dann aber doch Heim\u00adweh nach dem K\u00f6nigshof in London. Mit der Ausrede, er m\u00fcsse in einer dringenden An\u00adge\u00adle\u00adgen\u00adheit zu seinem Vater nach Bologna, machte er sich davon, mitnichten nach Bologna, sondern nordw\u00e4rts und kam wieder nach England. Diese Aktion brachte ihm sp\u00e4ter noch Scherereien, denn England war \u201eFein\u00addesland\u201c, und wer dahin wollte, ben\u00f6tigte eine Genehmigung der Inquisition. Ferrabosco hatte keine.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00f6nigin freute sich und zahlte ihm auch wieder seine 66\u00a3 Jahresgehalt, ab 1567 erh\u00f6hte sie es so\u00adgar auf 100\u00a3. Daf\u00fcr verpflichtete er sich, f\u00fcr immer in ihren Diensten zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fr\u00fchjahr 1569 mu\u00dfte Ferrabosco mal wieder dringend nach Bologna, versprach aber, dann gleich wie\u00adderzukommen. Im Sommer schrieb er aus Paris, er sei leider gerade v\u00f6llig ausgeraubt worden, werde aber in den n\u00e4chsten paar Tagen kommen. Was nicht geschah, stattdessen kam der n\u00e4chste Brief im Ok\u00adtober aus Bologna: Jetzt seien seine Angelegenheiten sicherlich bald schon so gut wie fast erledigt. Aber die Probleme gingen weiter. Im September 1570, fast ein Jahr sp\u00e4ter, schrieb der r\u00fcckkehrwillige Mu\u00adsiker, er ben\u00f6tige f\u00fcr die Reise nach England eine Erlaubnis des Papstes, und die komme einfach nicht. Bologna geh\u00f6rte zum Kirchenstaat, der Papst war also Staatsoberhaupt; England war Fein\u00addes\u00adland, und der Staatschef \u00fcberlegte sich wohl bei jedem seiner B\u00fcrger genau, ob er ihn dort hinlassen k\u00f6nne. Und Ferrabosco, dieser lose Vogel, der sich schon einmal unerlaubt dorthin aufgemacht hatte, bei dem mu\u00dfte man sicherlich ganz genau hinschauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann zwischen diesem Brief und dem Fr\u00fchsommer 1571 traf Ferrabosco tats\u00e4chlich wieder in Lon\u00addon ein. Seine j\u00e4hrlichen 100\u00a3 waren \u00fcbrigens p\u00fcnktlich an Vertraute ausgezahlt worden. 1574 be\u00adan\u00adtragte er eneut Freistellung f\u00fcr eine Reise nach Bologna, um Angelegenheiten nach dem Tod seines Vaters zu regeln. Es gibt keine Hinweise darauf, da\u00df er tats\u00e4chlich gereist ist, vermutlich war also die Ant\u00adwort der K\u00f6nigin kurz und eindeutig: \u201eNo!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 1575 wurde, vermutlich in oder in der N\u00e4he von London sein Sohn <em>Alfonso (der J\u00fcngere)<\/em> geboren. Danach bekam er noch ein weiteres Kind. Beide waren unehelich, aber er heiratete die Mutter, <em>Susanna Symons<\/em> aus Antwerpen, sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1577 wurde seine Bezahlung auf die H\u00e4lfte reduziert. Tats\u00e4chlich war er gerade dabei, in Schwie\u00adrig\u00adkei\u00adten zu geraten, wie man aus Briefen schlie\u00dfen kann, die er an verschiedene G\u00f6nner schickte. Er sei von ei\u00adner Reise zur\u00fcckgekommen und habe festgestellt, er sei bei Hofe in Ungnade gefallen, die K\u00f6nigin wol\u00adle nichts von ihm wissen. Der Grund sei wohl, da\u00df er ganz offen und ohne Geheimhaltung seinen al\u00adten Bekannten, den franz\u00f6sischen Botschafter, besucht habe und dort eine Messe besucht habe; das sei Grund genug, ihn bei der K\u00f6nigin anzuschw\u00e4rzen. Die Lordschaften G\u00f6nner sollten sich doch bitte da\u00adf\u00fcr einsetzen, seinen guten Ruf wiederherzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es kam noch schlimmer. Zwei Wochen sp\u00e4ter schrieb er den n\u00e4chsten Brief: Ihm werde vor\u00adge\u00adwor\u00adfen, einen jungen Ausl\u00e4nder ausgeraubt und ermordet zu haben. Er sei unschuldig, dieser junge Mann sei vielmehr sein Freund gewesen. In Hofkreisen wolle man ihn fertigmachen. Zwar wurde ihm ver\u00adsi\u00adchert, die K\u00f6nigin glaube an seine Unschuld, aber eine offizielle Rehabilitation lie\u00df auf sich warten. Ende 1577 dr\u00e4ngte Ferrabosco noch einmal auf die Wiederherstellung seines guten Rufs \u2013 dieser Brief ist das letzte Dokument f\u00fcr seine Anwesenheit in England. Offensichtlich arbeitete die B\u00fcrokratie ihm zu langsam, und so zog er die Konsequenz: Zun\u00e4chst reiste er mit seiner Frau nach Paris. Die K\u00f6nigin er\u00adlaubte den beiden nicht, ihre Kinder mitzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ankunft in Paris blieb nicht lange verborgen, der p\u00e4pstliche Nuntius <em>Dandino<\/em> \u00fcberwachte Ferra\u00adbos\u00adco fortan auf Schritt und Tritt und meldete seine Beobachtungen nebst Ger\u00fcchten usw., diesen un\u00adsi\u00adche\u00adren Engl\u00e4nderfreund betreffend, getreulich nach Rom. Ferrabosco verlie\u00df Paris Ende September 1578 ohne seine Frau, die separat nach Bologna kommen sollte, weil er mit seiner Verhaftung rechnete. Ir\u00adgend\u00adwann nach seiner Abreise wurde er dann auch auf Gehei\u00df des Papstes verhaftet und an einem heu\u00adte nicht bekannten Ort inhaftiert, vermutlich Rom oder Bologna.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hilfe kam von unerwarteter Seite. K\u00f6nigin Elisabeth hatte sich an die Mutter des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs, <em>Cate\u00adrina de&#8216; Medici<\/em>, gewandt, ob sie da etwas machen k\u00f6nne. Diese schrieb an den franz\u00f6sischen Bot\u00adschaf\u00adter in Rom, er solle (ja nicht erw\u00e4hnen, da\u00df es Elisabeth war, die gefragt hat, aber) im Namen der fran\u00adz\u00f6sischen K\u00f6niginmutter bitten, diesen Ferrabosco freizulassen. Der Gefallen Caterinas f\u00fcr Eli\u00adsa\u00adbeth d\u00fcrfte Teil ihrer Bem\u00fchungen gewesen sein, Caterinas Sohn <em>Fran\u00e7ois-Hercule<\/em> mit Elisabeth zu ver\u00adehe\u00adlichen \u2013 wozu es letztlich allerdings nicht kam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbrigens zahlte der englische Hof das reduzierte Jahresgehalt von 50\u00a3 bis 1582 weiterhin aus zu Gun\u00adsten der in Obhut eines H\u00f6flings befindlichen Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Apropos Kinder \u2013 in Italien hatte Alfonso mit Susanna zwei weitere, <em>Carlo Emanuele<\/em> und <em>Caterina<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ingendwann nach Oktober 1580 wurde Ferrabosco freigelassen und begab sich in den Dienst des Her\u00adzogs <em>Carlo Emanuele von Savoy<\/em> (als 16-j\u00e4hriger Musiker war er bei der Hochzeit von dessen Eltern dabei\u00adgewesen) in Turin. Mit diesem reiste er Anfang 1585 nach Spanien, wo sein Chef die Tochter des K\u00f6nigs, <em>Catarina<\/em>, heiratete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Hochzeit setzte sich der Herzog auf allen m\u00f6glichen diplomatischen Kan\u00e4len daf\u00fcr ein, Ferra\u00adboscos Kinder aus England herauszubekommen \u2013 leider vergeblich, die K\u00f6nigin blieb hart.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alfonso Ferrabosco blieb bis zu seinem Tod in den Diensten des Herzogs von Savoyen, hielt sich aller\u00addings nicht durchgehend in der Residenz in Turin auf, sondern immer wieder auch in Bologna. Dort starb er, 45-j\u00e4hrig, am 12. August 1588 an einer Krankheit. Der Herzog setzte eine Rente f\u00fcr Alfonsos Frau Susanna und die (in Italien befindlichen) Kinder aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ferraboscos&nbsp; gr\u00f6\u00dftes musikalisches Verdienst d\u00fcrfte darin bestehen, das Madrigal nach England ge\u00adbracht zu haben. W\u00e4hrend in seinem Heimatland sein Stil als altmodisch und \u00fcberkommen galt, traf er wohl den englischen Geschmack besser. Es dauerte allerdings nach seiner Abreise noch 10 Jahre, bis der Madrigal-Boom so richtig losging \u2013 die Lunte glomm sozusagen im Verborgenen; dann erschienen fast gleichzeitig in London die Anthologie \u201eMusica transalpina\u201c (1588) mit italienischen Madrigalen (ein\u00adschlie\u00dflich einiger von Ferrabosco) mit ins Englische \u00fcbersetzten Textunterlegungen und die beiden Samm\u00adlungen von William Byrd \u201ePsalmes, Sonets &amp; Songs of Sadnes and Pietie\u201c (ebenfalls 1588) und \u201eSongs of Sundrie Natures\u201c (1589), und im Laufe der n\u00e4chsten Jahre wurde das Madrigal zur be\u00adlieb\u00adtesten Musikgattung in England.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>Alfonso Ferrabosco, der J\u00fcngere<\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von <strong>Alfonso Ferrabosco, dem J\u00fcngeren<\/strong>, ist kein genaues Geburtsjahr bekannt. Er mu\u00df aber jeden\u00adfalls um 1575 liegen, zwischen der R\u00fcckkehr seines Vaters aus Bologna 1571 und seinem endg\u00fcltigen Ver\u00adlassen Englands 1578, wobei noch Zeit f\u00fcr ein weiteres Kind geblieben sein mu\u00df, von dem man aller\u00addings au\u00dfer seiner schieren Existenz nichts wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem seine Eltern das Land verlassen hatten, K\u00f6nigin Elisabeth aber die Mitnahme ihrer Kinder ver\u00adboten hatte, wuchsen diese bei einem Mitglied des Hofes auf namens <em>Gomer van Awsterwyke<\/em>. In den er\u00adsten Jahren, bis 1582, wurde ihnen das Gehalt ihres Vaters ausgezahlt, auch danach gab es Zu\u00adwen\u00addun\u00adgen aus der k\u00f6niglichen Schatulle. Bem\u00fchungen des Vaters, seine Kinder nach Italien zu holen, wur\u00adden von der K\u00f6nigin hintertrieben; die Kinder sahen ihre Eltern nie mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber Alfonsos musikalische Ausbildung ist nichts bekannt, sie war aber zweifellos gut. 1603 nahm er als Instrumentalist am Leichenbeg\u00e4ngnis von K\u00f6nigin Elisabeth teil. Vom folgenden Jahr an geh\u00f6rte er un\u00adter Elisabeths Nachfolger <em>James I.<\/em> zur Hofkapelle, au\u00dferdem war er Musiklehrer des Kronprinzen <em>Henry<\/em> und, als dieser \u00fcberraschend 18-j\u00e4hrig starb, des neuen Kronprinzen und sp\u00e4teren K\u00f6nigs <em>Charles<\/em>. Ab 1623 war er K\u00f6niglicher Kammermusiker unter James und behielt diesen Posten auch ab 1625 unter Charles&#8216; Regierung. Schlie\u00dflich wurde er auch noch <em>composer of the King&#8217;s music<\/em> \u2013 alles in allem f\u00fchrte er ein recht wohlsituiertes Leben. Er starb im M\u00e4rz 1628 in Greenwich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alfonso hatte drei S\u00f6hne, <em>Alfonso<\/em> (wie originell!), <em>Henry<\/em> und <em>John<\/em>, die alle erfolgreiche Musiker wurden: Al\u00adfon\u00adso (der noch J\u00fcngere) und Henry folgten ihrem Vater in seinen verschiedenen Hofmusik-\u00c4mtern nach; Alfonso als <em>Musician for the viols and wind instruments<\/em> sowie sp\u00e4ter als Musiklehrer des Kronprinzen, Hen\u00adry als <em>Composer of the King&#8217;s music<\/em>; John wurde Organist an der Kathedrale von Ely (also ein Nach\u00adfolger von Christopher Tye). Nicht vergessen werden sollen auch zwei T\u00f6chter, <em>Elizabeth<\/em> und <em>Catherine<\/em>, die sp\u00e4ter Musiker heirateten. Es ist wichtig, sich klarzumachen, da\u00df Alfonso Ferrabosco der J\u00fcngere trotz seines Namens kein itali\u00ade\u00adni\u00adscher Musiker war. Wenn sein Vater ihm je Musikunterricht gegeben hat, kann das allenfalls fr\u00fcher Ele\u00admen\u00adtarunterricht gewesen sein und in keiner Weise stilistisch pr\u00e4gend. Ansonsten gab es keinen un\u00admit\u00adtel\u00adbaren italienischen Einflu\u00df auf seinen Stil. Ferrabosco hat Engand wohl nie verlassen, ist also ein durch und durch englischer Komponist. Das soll nicht hei\u00dfen, da\u00df er \u00fcber die Entwicklungen der Mu\u00adsik von der Renaissance zum Barock auf dem Kontinent, gerade in Italien, nicht genau Bescheid wu\u00dfte, und nat\u00fcrlich hat er diese Stilentwicklungen auch selber mitgemacht.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>Peter Philips<\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Peter Philips<\/strong> wurde ca. 1561 geboren; \u00fcber seinen Geburtsort gibt es nur Vermutungen, es k\u00f6nnte Lon\u00addon gewesen sein. Aufzeichnungen existieren nicht, wir schlie\u00dfen das Geburtsjahr daraus, da\u00df Phi\u00adlips sich im Jahr 1597 in einer Aufenthaltsbescheinigung als 36-j\u00e4hrig bezeichnet hat. Anscheinend hat er eine musikalische Ausbildung in London an St. Paul&#8217;s Cathedral von dem hochangesehenen \u2013 wenn\u00adgleich katholischen \u2013 Organisten <em>Sebastian Westcott<\/em> erhalten (der m\u00f6glicherweise viele Jahre zuvor schon dem jungen William Byrd die ersten T\u00f6ne beigebracht hat), denn es ist bekannt, da\u00df er im Hause West\u00adcotts lebte, bis dieser 1582 starb, und in seinem Testament mit einem Geldbetrag bedacht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Tod seines Mentors verlie\u00df Philips England f\u00fcr immer. Er begab sich nach Italien, einerseits we\u00adgen seines katholischen Glaubens, andererseits, weil er geh\u00f6rt habe, dort gebe es \u201eexcellent men of his facultie\u201c. In Rom wurde er als Organist in das englische Jesuiten-Kolleg aufgenommen; parallel da\u00adzu (?) stand er f\u00fcr drei Jahre in den Diensten des Kardinals <em>Alessandro Farnese<\/em> (derselbe Kardinal, aus des\u00adsen Dienst 18 Jahre vorher <em>Alfonso Ferrabosco d.\u00c4.<\/em> abgehauen war).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1585 lernte Philips in Rom einen Landsmann kennen, der ebenfalls aus Glaubensgr\u00fcnden im Exil lebte, <em>Thomas Paget, third Baron Paget<\/em>. Dieser hatte schon eine l\u00e4ngere Flucht hinter sich, weil er zumindest Krei\u00adsen nahestand, die mit zwei Umsturzversuchen in England (<em>Throckmorton Plot<\/em> und <em>Babington Plot<\/em>) zu tun hatten, und der deshalb nicht nur in England gesucht wurde; es wurde auch ein Aus\u00adlie\u00adfe\u00adrungs\u00adge\u00adsuch an den franz\u00f6sischen K\u00f6nig gerichtet, der dieses allerdings nur mit einem Achselzucken quittierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Thomas Paget stellte Philips als Musiker ein (das Radio war ja noch nicht erfunden), und dieser ver\u00adbrachte die n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre mit seinem neuen Chef, \u00fcberwiegend auf Reisen durch Spanien, Frank\u00adreich und Flandern. Inzwischen wurde Paget in England seiner Rechte verlustig erkl\u00e4rt, und sein Ver\u00adm\u00f6gen wurde eingezogen. Daf\u00fcr erhielt er vom spanischen K\u00f6nig <em>Philipp II.<\/em> eine monatliche Zu\u00adwen\u00addung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1590 kamen die Reisenden nach Br\u00fcssel, und Paget starb dort. Philips zog noch weiter nach Ant\u00adwer\u00adpen, lie\u00df sich dort nieder, heiratete und schlug sich fortan als Musiklehrer durch (<em>\u201eby teaching of children on instruments\u201c<\/em>), wobei er etwas sauer war, da\u00df der spanische K\u00f6nig f\u00fcr ihn im Gegensatz zu seinem Freund Paget keinen Pfennig hatte springen lassen (\u201e<em>havinge never had penny interteynemeynt nor any money from ye kinge of spayne or his lieutenants\u201c<\/em>). Seine Frau ist wohl bald gestorben \u2013 in der oben bereits er\u00adw\u00e4hn\u00adten Aufenthaltsbescheinigung von 1597 kommt sie nicht vor. 1591 brachte er eine Anthologie von Ma\u00addri\u00adgalen namens <em>Melodia Olympica<\/em> mit Werken von vielen italienischen und fl\u00e4mischen Komponisten heraus, darunter auch 4 St\u00fccke von ihm selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1593 reiste Philips nach Amsterdam, <em>\u201eto sie and heare an excellent man of his faculties in Amsterdam\u201c<\/em>; d.h. er besuchte <em>Sweelinck<\/em> und blieb einige Monate in der Stadt. Auf dem R\u00fcckweg nach Antwerpen wurde er von einem englischen Agenten beschuldigt, etwas mit den obengenannten Verschw\u00f6rungen gegen K\u00f6\u00adni\u00adgin Elisabeth zu tun gehabt zu haben, und landete erstmal in Den Haag im Gef\u00e4ngnis. Die Be\u00adschul\u00addi\u00adgun\u00adgen erwiesen sich aber letztlich als haltlos, und nach etwa 3 Monaten wurde Philips aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen. Immerhin hatte er dort Zeit und offenbar auch genug Ruhe gehabt, um eine ber\u00fchmte <em>Pavan dolorosa<\/em> samt zugeh\u00f6riger <em>Galliard<\/em> zu komponieren, die im <em>Fitzwilliam Virginal Book<\/em> zu fin\u00adden sind \u2013 leider Tastenmusik, deshalb in den Kursnoten nicht dabei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1597 ging Philips nach Br\u00fcssel und trat als Organist der Hofkapelle in den Dienst des Erzherzogs <em>Albrecht von \u00d6sterreich<\/em>, des Schwiegersohns von K\u00f6nig Philipp II. von Spanien und Statthalters der spa\u00adni\u00adschen Krone in den Niederlanden. Vermutlich lernte er <em>Girolamo Frescobaldi<\/em> kennen, der 1607 \u2013 1608 in Br\u00fcssel weilte, ein Schw\u00e4tzchen von Tastenmeister zu Tastenmeister wird man sich sicherlich nicht haben entgehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Philips war befreundet mit <em>John Bull<\/em>, einem der gr\u00f6\u00dften Tastenvirtuosen Europas, der zwar auch ka\u00adtho\u00adlisch war, aber aus anderen Gr\u00fcnden 1613 aus England nach Br\u00fcssel fliehen mu\u00dfte \u2013 Ehebruch und t\u00e4t\u00adlicher Angriff gegen einen Geistlichen w\u00e4hrend des Gottesdienstes, zumindest wurde ihm das vor\u00adge\u00adwor\u00adfen, und er blieb erst mal ein Jahr in Br\u00fcssel, ehe er nach Antwerpen weiterreiste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 1601 \u2013 es gibt verschiedene Angaben, wann \u2013 wurde Philips zum Priester geweiht, war ab 1610 Kanonikus (Chorherr) in Soignies s\u00fcdwestlich von Br\u00fcssel (da er aber immer noch Hoforganist in Br\u00fcssel war, stellt sich die Frage, wieviel Zeit er tats\u00e4chlich in seiner Kirche verbrachte). 1623 kam ein wei\u00adteres Kanonikat in B\u00e9thune dazu (westlich von Br\u00fcssel, weiter entfernt, geh\u00f6rt heute zu Frankreich). Die\u00adser Ort ist \u2013 rein zuf\u00e4llig \u2013 interessant, weil er mit mehreren bedeutenden Musikern in Zu\u00adsam\u00admen\u00adhang steht: <em>Antoine Busnois<\/em> und <em>Pierre de Manchicourt<\/em> sind hier geboren, <em>Thomas Crecquillon<\/em> soll hier ge\u00adstor\u00adben sein. Tja, und jetzt war auch noch Peter Philips hier Kanoniker.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1628 starb Peter Philips in Br\u00fcssel.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>Thomas Simpson<\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Thomas Simpson<\/strong> wurde 1582 in Milton, Kent (westlich von London) geboren. \u00dcber seine Kindheit, Ju\u00adgend und Ausbildung ist nichts bekannt. 1608 war er <em>Musicant<\/em> am Hofe des Pfalzgrafen Friedrich&nbsp; IV. in Heidelberg. In Heidelberg hat er 1609 geheiratet. Ab 1611 ist er in den Listen des Hofes nicht mehr ge\u00adnannt; m\u00f6glicherweise wurde nach dem Tod des Pfalzgrafen 1610 alles m\u00f6gliche am Hof, auch die Ka\u00adpelle, umstrukturiert, und da meinte man, auf Simpson verzichten zu k\u00f6nnen. Aber vielleicht ging er auch aus freien St\u00fccken \u2013 man wei\u00df es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1612 wurde Simpson jedenfalls am Hof des Grafen Ernst III. von Holstein-Schaumburg in B\u00fcckeburg an\u00adgestellt, wo er mit William Brade zusammentraf und ca. ein Jahr zusammenarbeitete, bevor diesen (oder dessen Frau) der Drang nach mehr Geld packte, gegen\u00fcber dem Grafen mit Streikandrohung vor\u00adgetragen wurde und dazu f\u00fchrte, da\u00df man die Familie Brade vor die T\u00fcr (bzw. das Schlo\u00dftor) setzte. Simp\u00adson war von anderer Natur (seine Frau m\u00f6glicherweise auch), und er blieb am B\u00fcckeburger Hof bis 1622.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die B\u00fcckeburger Zeit war pr\u00e4gend f\u00fcr Simpsons Entwicklung als Komponist. Man kann das gut er\u00adken\u00adnen, wenn man seine beiden Sammlungen <em>Opusculum Neuwer Paduanen, Galliarden&#8230;<\/em> von 1610 (also in sei\u00adner Heidelberger Zeit entstanden) und <em>Opus Newer Pavanen<\/em> von 1618 (also in B\u00fcckeburg komponiert) ver\u00adgleicht. Das <em>Opusculum<\/em> ist noch deutlich Renaissance-gepr\u00e4gt, w\u00e4hrend das <em>Opus<\/em> stilistisch schon klar ins Barock weist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1622 verlie\u00df Simpson B\u00fcckeburg, was mit dem Tod des Grafen Ernst zu tun gehabt haben k\u00f6nnte, und begab sich nach Kopenhagen an den Hof Christians IV. Dort traf er m\u00f6glicherweise wieder mit Wil\u00adliam Brade zusammen, der im Laufe des Jahres allerdings den Hof verlie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Simpson blieb im Dienst Christians bis 1625. Danach verliert sich seine Spur; allerdings schreiben meh\u00adre\u00adre Quellen, er sei vermutlich in Kopenhagen geblieben und 1628 (die deutsche Wikipedia legt sich sogar soweit fest: \u201evor dem 22. Juni 1628\u201c) gestorben, leider ohne uns \u00fcber die Herkunft ihrer Er\u00adkennt\u00adnisse ins Bild zu setzen.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>John Taverner<\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>John Taverner<\/strong> wurde um 1490 geboren, m\u00f6glicherweise in Lincolnshire, Ost\u00adengland. \u00dcber seine Kindheit und Jugend sowie seine Ausbildung ist nichts bekannt. 1514 war er in London und trat, gemeinsam mit seiner Frau <em>Anne<\/em>, der <em>Fraternity of St. Nicholas<\/em> bei \u2013 eine Gilde, der alle Kirchenmusiker ver\u00adpflichtend anzugeh\u00f6ren hatten. Hier kam er sicherlich in Kontakt mit zahl\u00adreichen Musikern von den Stadtrandgemeinden bis zur k\u00f6niglichen Ka\u00adpel\u00adle. Ob er sich in London nur als Gelegenheitsmusiker durchschlug oder eine oder mehrere Anstellungen hatte, ist nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Londoner Zeit entstand wohl neben anderen Werken auch die \u201cWestern Wind Mass\u201d. Diese Messe ist die einzige von Taverner \u00fcber einen weltlichen Cantus firmus und auch in ihrer Machart, die permanente Vari\u00ada\u00adti\u00adon des C.f. in drei der vier Stimmen, f\u00fcr Taverner einzigartig. \u00dcber diesen C.f. gibt es au\u00dfer der Messe von Taverner noch zwei weitere, von Chri\u00adsto\u00adpher Tye und John Sheppard; ansonsten ist diese Melodie des Liedes nicht be\u00adkannt. Es kursierte m\u00f6glicherweise am k\u00f6niglichen Hof, und man kann vermuten, da\u00df sich Taverner mit die\u00adser Messe f\u00fcr eine Anstellung am Hof ins Gespr\u00e4ch bringen wollte. Leider wurde nichts daraus, und Taver\u00adner verlie\u00df London. &#8211; m\u00f6glicherweise starb in dieser Zeit auch seine Frau, was ihn zu einem Orts\u00adwech\u00adsel motiviert haben k\u00f6nnte. 1524 tauchte er auf in den Akten der Kathedrale <em>St. Botolph<\/em> in Boston (nicht USA, sondern Lincolnshire \u2013 allerdings ist die amerikanische Stadt hiernach benannt) als Gasts\u00e4nger aus Tattershall, einem kleinen abgelegenen Ort in Lincolnshire, an dem es gleichwohl ein \u201cCollege\u201d gab, al\u00adso eine Lateinschule mit kirchenmusikalischem Schwerpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1525 gr\u00fcndete Kardinal <em>Thomas Wolsey<\/em>, Lordkanzler unter Heinrich VIII. und zeitweise einer der m\u00e4ch\u00adtigsten, wenn nicht der m\u00e4chtigste Mann in England, in Oxford das <em>Cardinal College<\/em>, das sp\u00e4ter in Christ Church College umbenannt wurde und unter diesem Namen noch heute existiert. Als ersten Orga\u00adni\u00adsten und <em>Informator choristarum<\/em> (Chorleiter) berief Wolsey Taverner \u2013 vielleicht kannte er ihn aus der Lon\u00addoner Zeit. Nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern trat Taverner dieses Amt 1526 an. Zwei Jahre sp\u00e4ter wurde er akten\u00adkundig, da er mit irgendwelchen ketzerischen Untergrundaktivit\u00e4ten von Lutheranern in Verbindung ge\u00adbracht wurde. Aber seine Verstrickung in diese Verschw\u00f6rung war wohl so gering, da\u00df Kardinal Wolsey ihn mit dem Hinweis, er sei ja \u201cblo\u00df ein Musiker\u201d (&#8222;but a musitian&#8220;), aus der Schu\u00dflinie nahm und nicht wei\u00adter verfolgte. 1529 fiel Wolsey beim Hof in Ungnade; das wirkte sich auch aus auf sein gro\u00dfes Projekt <em>Cardinal College<\/em>, und dieses verlor an Ansehen und vor allem an finanzieller Beweglichkeit, und damit schrumpf\u00adte auch der Chor. 1530 verlie\u00df Taverner, der eigentlich gerade auf dem H\u00f6hepunkt seiner Kar\u00adri\u00ade\u00adre war \u2013 er war an einem der bedeutendsten Colleges des Landes angestellt und leitete einen gro\u00dfen und vor\u00adz\u00fcglichen Chor \u2013 Oxford. Mit seinem Weggang endet die \u00dcberlieferung seines musikalischen Werkes \u2013 wenn er danach noch etwas komponiert hat, ist es seither verschollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend seiner Zeit am College weckte Taverner das Interesse eines aufstrebenden Juristen in den Dien\u00adsten Wolseys, <em>Thomas Cromwell<\/em>. Dieser, nebenbei auch Mitglied des Parlaments, erlangte nach Wolseys Sturz schnell die Gunst von Heinrich VIII. und machte eine steile Karriere (seit 1531 geh\u00f6rte er zu den Ver\u00adtrau\u00adten des K\u00f6nigs, 1533 wurde er Schatzkanzler, 1534 k\u00f6niglicher Sekret\u00e4r, 1536 Lordsiegelbewahrer usw.). Nach\u00addem unter seiner Leitung das Parlament 1534 die <em>Suprematsakte<\/em> angenommen hatte, die den K\u00f6nig an\u00adstatt des Papstes an die Spitze der Kirche setzt, war Cromwell wesentlicher Architekt der Reformation in Eng\u00adland. Ein wesentliches Element davon war die Aufl\u00f6sung der Kl\u00f6ster \u2013 eine T\u00e4tigkeit, die ihm so schmei\u00adchelhafte Bezeichnungen wie \u201cHammer der M\u00f6nche\u201d oder \u201cSendbote des Teufels\u201d einbrachte. Es wird \u00fcberliefert, da\u00df Taverner in den Diensten Cromwells stand und ihn dabei unterst\u00fctzte. Doch aus ei\u00adnem Brief Taverners an Cromwell geht hervor, da\u00df er den M\u00f6nchen eines Klosters finanzielle Hilfe geleistet hatte und sich jetzt f\u00fcr weitere Unterst\u00fctzung bei Cromwell einsetzte. So ganz tief kann er also wohl nicht in das Klosteraufl\u00f6sungsgesch\u00e4ft verstrickt gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine letzten Lebensjahre verbrachte Taverner als relativ wohlhabender und angesehener B\u00fcrger in Boston.&nbsp; Im Juni 1545 wurde er zum <em>alderman<\/em> (Ratsherr) der Stadt gew\u00e4hlt, \u00fcbte das Amt aber nur wenige Monate aus. Am 18. Oktober 1545 starb John Taverner in Boston.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>Christopher Tye<\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Kindheit und Jugend von <strong>Christopher Tye<\/strong> ist nichts bekannt. Da der Name h\u00e4ufig in Doku\u00admen\u00adten des 15. Jahrhunderts in den Grafschaften Cambridgeshire und Norfolk vorkommt, besteht eine ge\u00adwisse Wahrscheinlichkeit, da\u00df er aus dieser Gegend stammt. In Aufzeichnungen des King&#8217;s College, Cam\u00adbridge, wird von 1508 bis 1513 ein Knabe namens Tye (ohne Vornamen) gef\u00fchrt, was die Ver\u00admu\u00adtung nahelegte, da\u00df es sich hierbei um Christopher handelte, was auf ein Geburtsjahr um 1500 hin\u00addeu\u00adte\u00adte. Inzwischen hat man sich, ohne da\u00df ich irgendwo Begr\u00fcndung daf\u00fcr finden kann, in der Literatur auf ca. 1505 als Geburtsjahr geeinigt \u2013 damit ist klar, da\u00df in Cambridge ein anderer Knabe namensTye ge\u00adsungen hat. Konkreter wird es erst 1536; in diesem Jahr erwarb Christopher Tye an der Universit\u00e4t Cam\u00adbridge nach l\u00e4ngerem Studium den Grad eines <em>Bachelor of music<\/em>. Zu dieser Zeit galt er bereits als er\u00adfah\u00adrener Komponist und Lehrer. M\u00f6glicherweise schon w\u00e4hrend des Studiums, sp\u00e4testens aber ab 1537 war er als <em>lay clerk<\/em> (professioneller, nicht-geistlicher Liturgies\u00e4nger) am King&#8217;s College in Cambridge an\u00adge\u00adstellt. 1539 enden die Eintragungen, die ihn in Cambridge nachweisen. 1541 wurde er <em>Magister cho\u00adri\u00adsta\u00adrum<\/em> und Organist an der Kathedrale in Ely mit einem Sal\u00e4r von 10\u00a3 im Jahr. Gelegentlich hatte er aber wohl auch noch in Cambridge zu tun, denn 1545 wurde er dort zum <em>Doctor of music<\/em> promoviert (1548 \u00fcbri\u00adgens auch in Oxford).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Ely freundete sich Tye mit dem etwa gleichaltrigen <em>Archdeacon Richard Cox<\/em> an, einem gl\u00fchenden Ver\u00adfech\u00adter der englischen Reformation, der daher Heinrich VIII. sehr nahe stand. Dieser wurde um 1543 als Erzieher des Prinzen Edward (ab 1547 K\u00f6nigs <em>Edward VI<\/em>.) nach London berufen und setzte sich dort erfolgreich daf\u00fcr ein, da\u00df Tye ebenfalls einen Ruf als Musiklehrer an den Hof erhielt, wo dieser dann wohl neben dem Musikunterricht f\u00fcr den Prinzen auch sonst beratend in musikalischen Dingen t\u00e4\u00adtig war. Nebenbei sang Tye wohl als Gastmusiker in der Chapel Royal mit, wof\u00fcr es bei dieser keine Auf\u00adzeichnungen gibt, aber einen Hinweis auf der Titelseite von Tyes einzigem zu seinen Lebzeiten ge\u00addruck\u00adten Werk, den <em>Actes of the Apostles<\/em> (1553), wo er sich selbst bezeichnet als \u201eone of the Gentylmen of hys graces moste honourable Chappell\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vermutlich hatte Tye eine recht enge pers\u00f6nliche Beziehung zu Edward. Hinweise darauf liefert ein Schau\u00adspiel namens <em>When You See Me You Know Me<\/em>, das ein Autor names Samuel Rowley 1605 schrieb und in dem es um Heinrich VIII. und Edward VI. geht. (Eine Mary Tye \u2013 Tochter des Komponisten? \u2013 hei\u00adra\u00adtete 1560 einen Robert Rowley \u2013 Vater des B\u00fchnenautors? \u2013, somit w\u00e4re der B\u00fchnenautor ein En\u00adkel des Komponisten. Aber man wei\u00df es nicht genau.) In diesem St\u00fcck spielt <em>Doctor Tye<\/em> in einer Szene ei\u00adne wichtige Rolle, die in der Lobpreisung des jungen K\u00f6nigs Edward gipfelt: \u201eI oft haue heard my Fa\u00adther merrily speake, in your hye praise, and thus his Highnesse sayth, England, one God, one truth, one Doc\u00adtor hath for Musicks Art, and that is Doctor Tye, admir&#8217;d for skill in Musickes harmonie\u201c und in der folgenden Pr\u00e4sentation der \u201eActes of the Apostles\u201c durch den Komponisten samt dem Ver\u00adspre\u00adchen des K\u00f6nigs, sie von seiner Kapelle flei\u00dfig spielen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Widmung der Actes an Edward w\u00fcnscht Tye diesem \u201elonge to raygne in muche honoure, heal\u00adthe, wealthe and victorye\u201c. Der Wunsch ging leider nicht in Erf\u00fcllung, im Februar 1553 wurde Ed\u00adward krank und erholte sich auch nicht mehr, bis er am 6. Juli desselben Jahres starb, als 15-J\u00e4hriger nach 6 Regierungsjahren. Vermutlich litt er an Tuberkulose.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tye blieb vermutlich noch einige Jahre in London und kehrte erst 1558 oder 1559 auf seine alte Or\u00adga\u00adni\u00adsten- und Chorleiterstelle in Ely zur\u00fcck \u2013 m\u00f6glicherweise auf Bitten seines alten Freundes Richard Cox. Dieser hatte es aus guten Gr\u00fcnden als ein wichtiger Betreiber der Reformation vorgezogen, die Zeit der katholischen Restauration unter Edwards Nachfolgerin, K\u00f6nigin Mary, auf dem Kontinent zu ver\u00adbringen, und kehrte erst nach England zur\u00fcck, nachdem sie 1558 gestorben war. Die neue K\u00f6nigin Elisa\u00adbeth (protestantisch) setzte ihn als Bischof in Ely ein. So trifft man sich wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1560 wurde Tye von Cox zuerst, im Juli, zum Diakon und dann, im November, zum Priester geweiht. Damit endete wohl seine kompositorische T\u00e4tigkeit. Er bekam eine Pfarre in Doddington in der N\u00e4he von Ely, in den n\u00e4chsten Jahren noch weitere. \u00dcber seine Begabung zur Wortverk\u00fcndigung und Predigt hielt die Begeisterung seiner Gemeinde sich wohl in Grenzen. Im M\u00e4rz 1573 wurde ein neuer Pfarrer in Doddington ernannt. Daraus ist zu schlie\u00dfen, da\u00df Christopher Tye 1572 oder 1573 gestorben ist.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>Thomas Weelkes<\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Thomas Weelkes<\/strong> wurde am 25. Oktober 1576 im Dorf Elsted bei Chichester, West Sussex, getauft; sei\u00adne Geburt d\u00fcrfte wohl im selben Jahr stattgefunden haben. \u00dcber seine Jugend ist nichts bekannt. 1597 erschien sein erster Band mit Madrigalen. Etwa zu dieser Zeit befand er sich in den Diensten des Ade\u00adligen <em>Edward Darcy<\/em>, der den Rang eines \u201eGroom of the Privy Chamber\u201c (Kammerjunker f\u00fcr die Privat\u00adgem\u00e4cher) am K\u00f6nigshof innehatte, faktisch aber ein beinharter Gesch\u00e4ftsmann war mit Mono\u00adpolen in so verschiedenen Branchen wie Stahl und Spielkarten. Sein Einflu\u00df bei Hof reichte offenbar nicht aus, um dem jungen Komponisten dort eine Stellung zu verschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weelkes&#8216; Dienstverh\u00e4ltnis bei Darcy dauerte nicht lange, und 1598 nahm eine Organistenstelle am <em>Win\u00adchester College<\/em> an. Diese war allerdings j\u00e4mmerlich bezahlt; davon abgesehen war der Winchester College Cha\u00adpel Choir zwar, wie das ganze College, eine h\u00f6chst traditionsreiche Angelegenheit, aber man war dort zu weit vom Schu\u00df, um k\u00f6niglichen Agenten oder solchen der gro\u00dfen Kathedralen aufzufallen. Als 1601 oder 1602 sein ohnehin karges Sal\u00e4r noch reduziert wurde, verlie\u00df Weelkes das College.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1602 machte er einen Abschlu\u00df als Bachelor of Music in Oxford und trat anschlie\u00dfend eine Stelle als Or\u00adganist und \u201einformator choristarum\u201c (Chorleiter) an der Kathedrale von Chichester an. Diese be\u00adhielt er, mit mindestens einer kurzen Unterbrechung, bis an sein Lebensende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider schauten auch in Chichester kaum k\u00f6nigliche Talentscouts vorbei. Und mit reichen F\u00f6rderern, de\u00adnen Weelkes seine Madrigalausgaben widmete, hatte er auch kein Gl\u00fcck. Es waren zwar durchaus wohl\u00adwollende und prinzipiell einflu\u00dfreiche Herrschaften, aber entweder machten diese oder ihre An\u00adge\u00adh\u00f6\u00adrigen sich in h\u00f6chsten Kreisen unbeliebt, z.B. durch allzu ostentatives Praktizieren des katholischen Glau\u00adbens zu Zeiten der K\u00f6nigen Elisabeth (in dieser Zeit sah man das nicht so gern), oder sie oder ih\u00adnen politisch Nahestehende schafften es, in Ungnade zu fallen und teilweise auf dem Schafott zu lan\u00adden \u2013 in jedem Fall hatte es, wenn diese F\u00f6rderer anfingen, bei Hofe den Namen ihres Sch\u00fctzlings Weel\u00adkes ins Spiel zu bringen, wohl allenfalls ein m\u00fcdes Abwinken zur Folge. Ein Karrieresprung war je\u00adden\u00adfalls nicht zu erhoffen. Auch seine Freundschaft mit Thomas Morley wirkte sich leider nicht f\u00f6rderlich aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Faktor, der einem solchen wesentlich im Wege stand, war Weelkes&#8216; Undiszipliniertheit, sp\u00e4ter auch sein Alkoholismus. 1609 bekam er erstmals \u00c4rger wegen unentschuldigter Abwesenheit; ab 1613 h\u00e4uften sich Beschwerden \u00fcber wiederholtes auff\u00e4lliges Benehmen. 1616 wurde dem Domkapitel vor\u00adgelegt: <em>\u201eHe hath been and is noted and famed for a comon drunckard and a notorious swearer &amp; blasphemer&#8230;\u201c<\/em> Daraufhin wurde er aus dem Dienst entlassen \u2013 allerdings kurz darauf wieder eingestellt. Dieser glimpf\u00adliche Verlauf der Angelegenheit f\u00fchrte indessen zu keiner erkennbaren L\u00e4uterung. 1619 erging eine er\u00adneu\u00adte Klage an das Domkapitel: <em>\u201eDyvers tymes &amp; very often come so disguised eyther from the Taverne or Ale house into the quire as is muche to be lamented, for in these humoures he will bothe curse &amp; sweare most dreadfully, &amp; so profane the service of God \u2026 and though he hath bene often tymes admonished \u2026 to refrayne theis humors and re\u00adfor\u00adme hym selfe, yett he daylye continuse the same, &amp; is rather worse than better therein.\u201c<\/em> Aber das Domkapitel bzw. der Bischof \u00fcbte sich in Nachsicht, Weelkes behielt seine Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er hielt sich jetzt allerdings wohl immer wieder mal in London auf. Auf einem dieser Aufenthalte verstarb er am 30. November 1623.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weelkes&#8216; Werk besteht \u00fcberwiegend aus Vokalmusik. Am bedeutendsten sind wohl seine Madrigale \u2013&nbsp; sie gelten neben denen von John Wilbye als H\u00f6hepunkt des englischen Madrigalschaffens. Sie ent\u00adstan\u00adden komplett in seinen j\u00fcngeren Jahren; zwei B\u00e4nde w\u00e4hrend seiner Zeit in Winchester, zwei weitere in Chi\u00adchester, davon der letzte im Jahr 1608. Sp\u00e4ter komponierte er nur noch Kirchenmusik und ganz ver\u00adein\u00adzelt Instrumentalmusik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob sein Ruf als Trunkenbold den als vorz\u00fcglicher Komponist \u00fcberschattete und daf\u00fcr sorgte, da\u00df er nie eine seinem Talent entsprechende Stellung erhielt, oder ob die Frustration \u00fcber die Aus\u00adsichts\u00adlosig\u00adkeit, jemals aus der \u201eProvinz\u201c herauszukommen, ihn zum S\u00e4ufer werden lie\u00df \u2013 in welchem Ausma\u00df sei\u00adne unzufriedenstellende Karriere also widrigen Umst\u00e4nden bzw. Pech anzulasten ist oder seiner eigenen Schw\u00e4\u00adche, wird man wohl nie herausfinden. Auf jeden Fall haben wir es hier mit einer tragischen Figur zu tun, die bei allem Ungl\u00fcck immerhin das Gl\u00fcck eines sehr langm\u00fctigen Arbeitgebers hatte.<\/p>\n<\/div><\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item\"><summary class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__title\"><div>William Wigthorpe<\/div><\/summary><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-accordion-item__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber <strong>William Wigthorpe<\/strong> ist nicht viel bekannt. Er lebte von ca. 1579 bis ca. 1609; er k\u00f6nnte auch fr\u00fcher geboren und sp\u00e4ter gestorben sein, es kursieren verschiedene Lebensdaten, deren Gemeinsamkeit die reichliche Verwendung von \u201eca.\u201c ist, die aber alle auf eine aktive Zeit um 1600 hindeuten. Wigthorpe war Organist am New College in Oxford.&nbsp;<\/p>\n<\/div><\/details>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":33,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_crdt_document":"","_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"h5ap_radio_sources":[],"footnotes":""},"class_list":["post-146","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/146","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=146"}],"version-history":[{"count":24,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/146\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":648,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/146\/revisions\/648"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/33"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=146"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}