{"id":25,"date":"2019-07-29T16:14:21","date_gmt":"2019-07-29T14:14:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten-2019\/?page_id=25"},"modified":"2019-08-14T17:27:11","modified_gmt":"2019-08-14T15:27:11","slug":"kronborg-motetten","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten-2019\/kronborg-motetten\/","title":{"rendered":"Kronborg-Motetten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte dieser drei\nMotetten aus der Flensburger Musiksammlung (die Bezeichnung \u201eKronborg-Motetten\u201c\nist nicht historisch, sondern stammt von dem d\u00e4nischen Musikwissenschaftler Ole\nKongsted) ist ein Anhang zu der langen Geschichte eines Springbrunnens, die\n1574 beginnt. In diesem Jahr begann K\u00f6nig <em>Frederik II. <\/em>(1534 \u2013 1588)\ndamit, die alte Festung in Helsing\u00f8r, die die Meerenge zwischen D\u00e4nemark und\nSchweden bewachte, zu einem Schloss auszubauen, das den Namen Kronborg tragen\nsollte und vielen Menschen bis heute als Schauplatz von Shakespeares <em>Hamlet <\/em>bekannnt\nist. (Davon bekam Frederik allerdings nichts mehr mit.) <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"316\" height=\"422\" src=\"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten-2019\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/07\/Kronborg-Brunnen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-86\" srcset=\"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten-2019\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/07\/Kronborg-Brunnen.jpg 316w, http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten-2019\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/07\/Kronborg-Brunnen-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten-2019\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/07\/Kronborg-Brunnen-150x200.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 316px) 100vw, 316px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im folgenden Jahr traf es sich, dass der ber\u00fchmte Astronom <em>Tycho\nBrahe <\/em>sich am Hof seines F\u00f6rderers und Astronomen-Kollegen, des Landgrafen <em>Wilhelm\nIV.<\/em>, in Kassel aufhielt und dort Werke (wohl auch Springbrunnen) des\nN\u00fcrnberger Bronzegie\u00dfers <em>Georg Labenwolf <\/em>kennenlernte, die ihn stark\nbeeindruckten. Nach seiner R\u00fcckkehr nach D\u00e4nemark berichtete er K\u00f6nig Frederik\ndavon; dieser fand, dass ein Springbrunnen aus Labenwolfs Werkstatt sich im\nSchloss Kronborg sicherlich gut machen w\u00fcrde, und bestellte 1576 eine solche\n\u201eWasserkunst\u201c. Labenwolf weilte im Winter 1576\/77 in D\u00e4nemark, bei dieser\nGelegenheit d\u00fcrfte ein Vertrag zustande gekommen sein. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch jetzt begannen die\nProbleme: Labenwolf besa\u00df nicht genug Geld, um die Materialkosten des\nmonumentalen Werks vorstrecken zu k\u00f6nnen, und der K\u00f6nig hatte einen Vorschuss\nvon 1000 Talern bewilligt. Die Auszahlung dieser Summe sollten Kaufleute, die\nauf die eine oder andere Weise zwischen dem Ostseeraum und N\u00fcrnberg vernetzt\nwaren, \u00fcbernehmen. Aber die Entfernung war gro\u00df und die Kommunikation langsam.\nWieder und wieder erkl\u00e4rte Labenwolf, wenn der K\u00f6nig sich mal wieder \u00fcber\nMittelsleute beim Rat der Stadt N\u00fcrnberg nach der Lage der Dinge erkundigte, er\nw\u00fcrde ja gern weiterarbeiten, wenn er nur endlich den immer wieder\nerforderlichen Vorschuss erhielte. Tats\u00e4chlich trafen die zugesagten Gelder\nauch recht langsam und \u201etr\u00f6pfelnd\u201c ein; ob der Meister in der Zwischenzeit\nandere Auftr\u00e4ge angenommen hatte, wie der Rat ihm sp\u00e4ter vorwarf, er selber\naber kategorisch von sich wies, ist nicht bekannt. Wohl aber, dass er sich im\nMaterialbedarf ziemlich versch\u00e4tzt hatte, was dem raschen Fortgang der Arbeit\nauch nicht eben f\u00f6rderlich war. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jahre gingen ins Land, und\nin Kronborg stand immer noch kein Springbrunnen. 1581 schickte der inzwischen\nrecht ungeduldige K\u00f6nig einen Abgesandten an den N\u00fcrnberger Rat mit dem Auftrag,\ner solle sich selber in der Werkstatt umsehen und sich ein genaues Bild vom\nFortgang der Arbeiten machen. Labenwolf erkl\u00e4rte dem Abgesandten wiederum, es\nfehle an Geld, deshalb gehe es nicht voran. Der K\u00f6nig sagte notgedrungen eine\nweitere Zahlung von 1500 Talern zu und w\u00fcnschte daf\u00fcr, dass im Sommer 1582\nendlich etwas pl\u00e4tschere in Kronborg. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Rat war die ganze\nAngelegenheit nat\u00fcrlich allm\u00e4hlich h\u00f6chst peinlich \u2013 wie steht eine Handels- und\nHandwerkerstadt da, wenn sich herumspricht, dass ein K\u00f6nig seine bestellte Ware\nnicht bekommt \u2013, und fortan schaute ein-bis zweimal w\u00f6chentlich der Ratsherr\nJoachim P\u00f6mer, der im Rat u.a. f\u00fcr die Handwerker zust\u00e4ndig war, bei Labenwolf\nvorbei und lie\u00df seinen strengen Blick in der Werkstatt schweifen, um zu sehen,\nob nicht doch heimlich an anderen Auftr\u00e4gen gearbeitet wurde. Dem Meister wurde\nausnahmsweise gestattet, mehr Leute anzustellen, als es die st\u00e4dtische\nHandwerksordnung eigentlich vorsah, es wurde ihm aber auch \u201eernstliche straf\u201c\nangedroht, wenn nicht endlich Resultate zu sehen waren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fr\u00fchjahr 1582 war\nLabenwolf in Zahlungsschwierigkeiten \u2013 die zugesagten 1500 Taler waren wohl\nnoch nicht eingetroffen. Der Rat sah die Not des Meisters und \u00fcbte sich in\nGeduld. Im Sommer wurde dem K\u00f6nig \u00fcber den Fortgang der Arbeiten berichtet;\ndieser dankte, sagte abermals 800 Taler zu unter der Voraussetzung, dass der\nBrunnen im Fr\u00fchjahr 1583 endlich aufgestellt werde. Es ging nun auch wirklich\nvoran mit dem Werk \u2013 im Sp\u00e4therbst 1582 ersuchte Labenwolf um die Genehmigung,\nden Brunnen im Stadtgraben aufzustellen, \u201eum damit ein prob zu thun, ob und wie\nes lauffen werde\u201c. So freuten sich die N\u00fcrnberger in der Weihnachtszeit am\nSpringbrunnen im Stadtgraben, w\u00e4hrend in Kopenhagen der K\u00f6nig vor Ungeduld\nbrutzelte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Endlich, im Februar 1583,\nerhielt Frederik die Nachricht, der Brunnen mit zwei Gehilfen Labenwolfs sei in\nL\u00fcbeck eingetroffen. F\u00fcr die letzte Etappe musste nur noch abgewartet werden,\nbis die Ostsee eisfrei war. Im M\u00e4rz oder April traf die Sendung schlie\u00dflich in\nHelsing\u00f8r ein, und bis August baute Labenwolf mit seinen Gehilfen den Brunnen\nauf. Seit der Bestellung waren 7 Jahre vergangen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leider hatte der K\u00f6nig nicht mehr so viele\nJahre Freude an dem Werk, wie er zuvor \u00c4rger damit gehabt hatte \u2013 im April\n1588, keine 5 Jahre sp\u00e4ter, starb er. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Werk war leider kein\nlanges Dasein beschieden. Die Schweden, die im 2. Nordischen Krieg 1658 Teile\nD\u00e4nemarks besetzt hatten, nahmen nach ihrer Niederlage 1659 u.a. den Brunnen\naus Schloss Kronborg mit. Einige Figuren sind vermutlich noch erhalten, ein\nGro\u00dfteil wurde aber eingeschmolzen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soviel zum Brunnen, kommen wir endlich zu den\nMotetten&#8230; Im Herbst 1582 schickte der Ratsherr Joachim P\u00f6mer einen Brief an\nTycho Brahe, in dem er mitteilte, in K\u00fcrze werde der Brunnen zur Funktions\u00fcberpr\u00fcfung\nin N\u00fcrnberg aufgestellt. Diesem Brief lagen zwei lateinische und ein deutsches\nGedicht bei, die P\u00f6mer bei dem Dichter <em>Paul Melissus Schede <\/em>in Auftrag\ngegeben hatte. Er bat Brahe um Rat, ob man diese Gedichte dem K\u00f6nig zum\nGeschenk machen k\u00f6nne, und teilte mit, er habe einen \u201eber\u00fchmbten musicus alhie\u201c\ngebeten, sie zu vertonen. Insofern ist die Frage wohl als rein rhetorische\nanzusehen. Die Antwort ist nicht erhalten, d\u00fcrfte aber zustimmend gewesen sein.\nNach Aktenlage wird klar, warum P\u00f6mer sich nicht direkt an den K\u00f6nig gewandt\nhatte \u2013 die Gedichte bzw. Kompositionen waren keine offiziellen Gaben der Stadt\nN\u00fcrnberg, sondern Geschenke des Privatmannes P\u00f6mer, der \u2013 ganz und gar nicht\nfrei von Eitelkeit \u2013 seinen Beitrag zum Gelingen des gro\u00dfen Kunstwerks\nentsprechend herausstellen wollte; als Privatmann konnte er sich aber unm\u00f6glich\ndirekt an den K\u00f6nig wenden, sondern musste sich des Mittelsmannes Tycho Brahe\nbedienen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer ist aber der \u201eber\u00fchmbte musicus alhie\u201c? Der\nMusikwissenschaftler Ole Kongsted f\u00fchrt aus, dass unter den ber\u00fchmten Musikern\nin N\u00fcrnberg die angestellten Stadtmusiker nicht in Frage kommen, da sie als\nInstrumentalisten kaum zu solchen Vokalkompositionen in der Lage sein d\u00fcrften.\nUnter den Kirchenmusikern der Stadt bleibt letztlich als wahrscheinlichster <em>Leonhard\nLechner <\/em>\u00fcbrig; f\u00fcr diesen spricht insbesondere, dass er sowohl mit P\u00f6mer\nals auch mit Schede pers\u00f6nlich bekannt war. Allerdings hielt sich auch <em>Orlando\ndi Lasso<\/em>, Lechners Lehrer, in der f\u00fcr die Komposition in Betracht kommenden\nZeit in N\u00fcrnberg auf. Auch er kommt letztlich als Komponist der\nKronborg-Motetten in Frage. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">In laudem regii fontis <\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leonhard Lechner? 6 Stimmen<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/glueckskaese.de\/noten\/seitenstetten_19\/01_Kronborg-Motetten\/In_laudem_regii_fontis_Partitur.pdf\">Partitur<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/glueckskaese.de\/noten\/seitenstetten_19\/01_Kronborg-Motetten\/In_laudem_regii_fontis_Einzelstimmen.pdf\">Einzelstimmen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten-2019\/kronborg-motetten\/in-laudem-regii-fontis\/\">Text\u00fcbersetzung<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein Hoffnung zu Gott allein<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leonhard Lechner? 5 Stimmen<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/glueckskaese.de\/noten\/seitenstetten_19\/01_Kronborg-Motetten\/Mein_Hoffnung_zu_Gott_allein_Partitur.pdf\">Partitur<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/glueckskaese.de\/noten\/seitenstetten_19\/01_Kronborg-Motetten\/Mein_Hoffnung_zu_Gott_allein_Einzelstimmen.pdf\">Einzelstimmen<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quam bene conveniunt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leonhard Lechner? 6 Stimmen<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/glueckskaese.de\/noten\/seitenstetten_19\/01_Kronborg-Motetten\/Quam_bene_conveniunt.pdf\">Partitur<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.cronopio.de\/seitenstetten-2019\/kronborg-motetten\/quam-bene-conveniunt\/\">Text\u00fcbersetzung<\/a><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte dieser drei Motetten aus der Flensburger Musiksammlung (die Bezeichnung \u201eKronborg-Motetten\u201c ist nicht historisch, sondern stammt von dem d\u00e4nischen Musikwissenschaftler Ole Kongsted) ist ein Anhang zu der langen Geschichte eines Springbrunnens, die 1574 beginnt. 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