{"id":301,"date":"2016-06-30T23:51:40","date_gmt":"2016-06-30T21:51:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/?page_id=301"},"modified":"2018-08-15T23:22:53","modified_gmt":"2018-08-15T21:22:53","slug":"sebastian-virdung","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/unsere-informanten\/sebastian-virdung\/","title":{"rendered":"Sebastian Virdung (um 1465 \u2013 nach 1511)"},"content":{"rendered":"<p>Virdung wurde geboren in Amberg in der Oberpfalz (Bayern). Ende 1483 immatrikulierte er sich in Heidelberg und erhielt neben dem Universit\u00e4tsstudium (wohl Jura) eine musikalische Ausbildung bei dem ber\u00fchmten S\u00e4nger und Arzt Johannes von Soest. Sp\u00e4testens seit 1483 geh\u00f6rte er zur Hofkapelle des pf\u00e4lzischen Kurf\u00fcrsten Philipp in Heidelberg. Vom Kurf\u00fcrsten mit zwei wohldotierten Pfarren in Bayern belehnt, scheint er doch weiterhin in Heidelberg t\u00e4tig gewesen zu sein, bis er zum Jahreswechsel 1505\/06 den Dienst quittierte. Nach einem kurzen Intermezzo bei der W\u00fcrttembergischen Hofkapelle in Stuttgart erhielt er 1507 eine Stelle an der Domkantorei zu Konstanz; zu seinen Aufgaben geh\u00f6rte \u201ecomponiren oder die knaben contrapunct leren\u201c. Aber auch mit dieser Anstellung war es nach einem Jahr vorbei, da er \u201eirrig vnd mit den knaben unfleissig sye\u201c. 1510 war er auf dem Reichstag zu Augsburg; dort weckte er das Interesse des musikinteressierten Stra\u00dfburger Bischofs Wilhelm von Hohnstein an seiner im Entstehen begriffenen gro\u00dfen musiktheoretischen Schrift (er nannte sie \u201emein gedicht der deutschen musica\u201c) und d\u00fcrfte eine materielle Zuwendung erhalten haben. Da sich die Arbeit an dem gro\u00dfen Werk noch hinzog (es ist leider nie fertig geworden) und wohl um dem Bischof f\u00fcr seine Unterst\u00fctzung wenigstens irgendetwas pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen, brachte Virdung 1511 in Basel einen kleinen Teil, der ausschlie\u00dflich verschiedene Aspekte der Instrumentalmusik behandelte, heraus und widmete ihn dem Bischof: <em>Musica getutscht und au\u00dfgezogen<\/em> (Musica deutsch und als Auszug). Danach verlieren sich Virdungs Spuren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_633\" aria-describedby=\"caption-attachment-633\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/07\/virdung.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-633 size-medium\" src=\"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/07\/virdung-300x210.jpg\" alt=\"Andreas Silvanus und Sebastian Virdung\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/07\/virdung-300x210.jpg 300w, http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2016\/07\/virdung.jpg 762w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-633\" class=\"wp-caption-text\">Die Dialogpartner der &#8222;Musica getutscht und au\u00dfgezogen&#8220;: links Andreas Silvanus, rechts Sebastian Virdung. Abbildung aus dem Buch.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Musica getutscht und au\u00dfgezogen<\/em> ist die \u00e4lteste gedruckte Abhandlung \u00fcberhaupt zum Thema Instrumentalmusik. Sie verfolgt einen ziemlich modernen didaktischen Ansatz: Sie ist in deutscher Sprache abgefasst, also nicht nur f\u00fcr ein akademisch gebildetes Publikum, und sie hat die Form eines Dialogs zweier Freunde, also keines reinen Unterrichtsgespr\u00e4chs von Lehrer und Sch\u00fcler. Die Abhandlung wird durch zahlreiche Illustrationen unterst\u00fctzt (auch wenn diese gelegentlich an Exaktheit und Originaltreue zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lassen), und l\u00e4dt zum Selbststudium ein.<\/p>\n<p>Das kleine Buch erschien in den n\u00e4chsten Jahrzehnten auch in anderen Sprachen. Der Humanist Ottmar Luscinius, der Virdung vermutlich auf dem Reichstag in Augsburg kennengelernt hatte, \u00fcbersetzte es ins Lateinische; im Jahr 1536 erschien die \u00dcbersetzung mit den Original-Illustrationen als Teil eines gr\u00f6\u00dferen Werks Lucinius&#8216; (interessanterweise hatte er das Manuskript der \u00dcbersetzung bereits 18 Jahre vorher, 1518, fertig). 1529 erschien eine franz\u00f6sische, 1568 eine niederl\u00e4ndische \u00dcbersetzung. Eine weitere wichtige deutschsprachige Quelle zur Instrumentalmusik des 16. Jahrhunderts, die 1529 erstmals erschienene <em>Musica instrumentalis deudsch<\/em> von Martin Agricola, baut auf Virdung auf und verwendet seine Abbildungen.<\/p>\n<table style=\"border-color: white;\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"text-align: left;\" width=\"33%\"><\/td>\n<td style=\"text-align: center;\" width=\"33%\">^<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/unsere-informanten\/\">Unsere Informanten<\/a><\/td>\n<td style=\"text-align: right;\" width=\"33%\">&gt;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/martin-agricola\/\">Martin Agricola<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biographie Sebastian Virdung<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":337,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_crdt_document":"","_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"h5ap_radio_sources":[],"footnotes":""},"class_list":["post-301","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/301","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=301"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/301\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1239,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/301\/revisions\/1239"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/337"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.cronopio.de\/instrumentenausstellung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=301"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}